Zurück zum LiteratenOhr
 
 

Fantasia

kafir, arab., Ungläubiger, ein Gott-nicht-Gefälliger<>

fantasia, griech.-span., Reiterspiele nordafrikani-scher Araber und Berber



Gelb treiben Wolken über Krater und Gipfel.
Sie steigen und sinken, fahren gen Norden.
Die Fracht, feines Korn, gedroschen, verloren
Auf Straßen, in Flüssen, verschleiert Moscheen,
Mischt sich mit Staub - in klebrigen Blüten,
Fällt aus den Wipfeln im Abendland.

Sand im Getriebe, Sand in den Augen,
Verdirbt das Getreide, ist Gift für die Börse.
Ich sitz unter Männern. Wir schauen zum Himmel
Und spielen Backgammon, nach wenigen Schüssen
Drehen sich Köpfe, die Reiter im Buntfilm
Erobern die Herzen und sprengen die Burg.

Ich spiele mit Wörtern. Ein kafir, kein Kämpfer,
Bin ich kein Jedi, kein Ritter mit Lichtschwert.
Ich kann sie nicht trennen, das Helle, das Dunkel,
Bin heimisch in Bildern, und gelb schwefeln Ängste.
Was mir zerrinnt zwischen den Fingern, steigt auf
Gegen Abend, fährt durch das Luftmeer im Morgenrot.
 
 

Nachts



Glänzen Bären,
Schlittern Schlitten,
Flackern Krippen
Auf Eis, im Glas.

Mann
Hackt Löcher,
Fischt, vergisst
Name und Anschrift
Im Netz, am See.

Tagen Träume,
Hummer und Haie
Grinsen im Kochtopf.
Das Schneekind jauchzt,
Zerreißt den Film.
 
 

Selbst Bild



Wer bin ich ?
Wer bin ich
Nicht ?
Montags,
Die Vöglein schweigen
An kalten Ufern,
Gischtgetauft
Über Kaskaden,
Braun strähnt Weiß,
Tönt, soll fließen,
Stürzt ins Blaue,
Gewinnt das Meer.

Fragen sind Fallen.
Ich
Werd Antwort.
Im Kopf
Leuchten Fenster.
Auf engen Straßen
Stinken Trecker.
Vor Kirchen, Kneipen
Kühl ich ab
Im weichen Regen,
Steh ich stumm,
Bin Fleisch, nicht Fisch.

Ich stehe
Antwort,
Fall
Aus den Fragen.
Freitags
Beim Schwarzen
Steh ich am Tresen,
Schwadroniere
Westfälisch,
Mit schwerer Zunge
Spendiere ich Whiskey,
Geb mich nicht her.

Bin.
Bin nicht.
Bin Bild,
Nicht Schriftsatz.
Bin Ton,
Nicht Wort.
Bin Fluss
Im Grünen,
Stürze
Ins Blaue.
Gischtgetauft
Bin ich Meer.

 
 
Das Gedicht der abgenutzten Wörter

Liebe,
Seele,
Tot
Die schönen, schlanken Verse
Stolpern auf den braunen Bohlen,
Hüpfen holprig,
Stechen Schritte
Aus den Herzen
Platzen Köpfe, rote Hände
Greifen
Nach den gelben Sternen
Auf den Mänteln, Blusen, Jacken
Zacken Krater, trocknen Rosen
In den Gärten,
Felsvermauert,
Küssen mich die harten Schatten,
Schmeck ich Mandeln,
Beerensüßes,
Helles Brot.
 
Onkel Ernst

Der Liebe ist kein Kraut gewachsen.
Nur in der Ehe kurieren die Jahre,
Kinder und Katzen sorgen für Wärme,
Zündeln Gardinen, zerdeppern die Tassen,
Geschenke zur Hochzeit aus Meißen und Delft.

Streit sucht Nischen. Wie List und Liebe.
So Onkel Ernst, zölibatär, zynisch katholisch,
Leckt die krausen, schlanken Blonden, PLAYER‘s,
Virginia !, deckt mit dem Daumen das Schiff,
Den Matrosen : Royal British ! Navy Cut !

Sommer Sechsundsechzig. Kein Mensch
Auf der Straße. Alte Männer, verstörte
Hunde sitzen im Schatten, fixieren
Fontänen, Schwäne in Paaren auf blauem Teich.
Daheim, die Schwestern waschen und schrubben,

Saugen Tabak, die feinen Krümel, aus Bett
Und Sofa, füttern die Vögel, fluten das Klo.
Der Liebe ist kein Kraut gewachsen. Abends
Aus London schwarzweiße Trauer. Zur salzlosen
Suppe schmeckt ein heller, kalter Schnaps.

 
Eibisch

Tief im Dorf, das weltumspannend, bombensicher,
Such ich Verse, simple Sätze über Pfützen will ich
Springen, trocknen Fußes über Bäche pfeilt die
Schwalbe trifft im Bild das Nest am Haus.

Im Strom wellt Licht, vernetzt, gespeichert sucht Ma-
Schine jagt die Beute Wolf scheint zahm, verzeichnet
Pfade, smarte Treiber apportieren kleine Fenster
Welt will rollen, Schnitte schnipseln Leib und Wort.

Tief im Dorf, in Torflands Weiten seh ich simple
Wunder, Bilder, will sie fassen, pur erzählen meine
Pfade, schwere Schritte, Schlamm ist Moder krustet,
Fällt am flachen Ufer trink ich Träume, schlapp und faul.

Am See, im Netz verpack ich Verse fließen ab und auf
Blüht Eibisch, lippenrot in Biss und Kuss. Gelöst der
Schleim, im Hirn flitzt Sprache, keltisch, griechisch
Pfeilen Silben, heilen Schnitte, Leib wird Wort.

 
Mittvierziger, Südhang, gekippt

Roht vor Wind schlürft Silber Whiskey :

Seh mich nüchtern, südgeviehdert

GenItalien wärmt mich Sonne, westlich weißes

BRot der Glocken färbt den Raum, die Lichter

Locken mich auf versgeschwerzte

Felsen. Buchten swingen.

Mein geerbtes, grünes Leben kippt ins Leere,

Bilder Reime zaubern Pferde, weichgeflügelt,

Heben tragen über Flüsse,

Steine letzend Mensch und Karst.

 
Biutopia

Wortauf weltab : lippsche Auen

Grenzen Bilder Buchen Höfe

Koalieren rötlich golden

Mitte Vierzig Namen lose,

(H)albge(h)erzte Träume Dinge,

Fromm getrübt in nimbus

Warmen Köpfen, Stöcken,

Späthin preußisch, rheinisch Grau.

 

Leb Haft hinter Gräben Deichen

Tickt der Tag, die braunen Bomber

Stürzen siegen nächtlings streitend

Fallen Sätze Grenzen Treiber

Steuern drucken tolle Karten

Träumen wieder, europäisch,

Glätten Falten, feuchten Wangen,

Nischensicher Fort um Fort.

 

Zwiefach sucht mein Stochern Schreiben

Text im Moor, im Fernen Ir(r)en

Koagieren golden rötlich

Alle Toten, schön erkannte

WortGeDinge schlafen weiß in

Schwerer Erde leben Samen

Deutbar gründlich hebt ein Spaten

Sticht die Sode Torf und Wort.

 


Zurück zum LiteratenOhr