1. Platz: Adele Atzert/Amsterdam u. Jan Soeffner/Koeln

 

J.Soeffner: Nach unnötigem Disput mit einem Karpfen werde ich vom Tod überrascht und bleibe allein zurück.

 

Einmal träumte mir, ich sei ein moppeliger Karpfen im Lebendfischbecken bei Jumbo oder Extra oder unten im Lebensmittellimbus bei Kaufhof oder was weiß ich. Durch das massige Glas sah ich die Fischtheke, hinter der viele Fische aufgeschlitzt und ausgenommen dalagen, was mir erstaunlich, nicht aber beängstigend vorkam. Das waren eben nur so Lotten und Doraden, Viktoriabarsche und Schwertfische. Jedenfalls keine Karpfen. Die Menschen machen sich ja auch keine Sorgen, wenn sie anderer Säugetiere Fleisch im Tiefkühlfach beim Mini-Mal sehen, oder?, dachte ich, wohl um mir meine Einstellung zu der Sache etwas plausibler zu machen.

Während ich das dachte, war ich aber gar nicht mehr der Karpfen. Vielmehr betrachtete ich das Schauspiel als kaum definiertes Etwas schräg über dem Becken, das allerdings dennoch wusste, gleichzeitig auch der Karpfen zu sein. Schließlich holte die Servicefrau einen mir gleichenden Mitkarpfen aus dem Becken, richtete ihn kurzerhand hin, schnitt ihn auf und nahm ihn aus. Inzwischen war in meinem Traum von dem Karpfen nur noch in der dritten Person die Rede; was mich jedoch nicht daran hinderte, ein Gefühl glaswandbeengter Ausweglosigkeit zu entwickeln.

So ist das nunmal mit den Träumen: Sie sind allen Bitten nach kohärenter Subjektkonstitution unaufgeschlossen.

 

Diesen Traum bot ich mir zu meinem Unbehagen in der Nacht dar, als ich das erste Mal dem Tod ins Auge gesehen hatte. Er war einer derjenigen Studenten, die erst zur zweiten Sitzung in mein Proseminar über mediale Kodierungen der Transzendenz gekommen waren. Damals trug er einen ganz normalen Namen – Günter Jauch oder so ähnlich – und hatte auch keine außergewöhnlichen Merkmale. Er saß mit leicht gesenkter Stirn zwischen zwei Studenten, so unbeteiligt, dass er eher noch an ihnen vorbeizusitzen schien; er musterte mich mit Augen, die die nötigsten Bewegungen gewissenhaft ausführten und betrachtete ernst, wie ich keinen Stuhl mehr fand. Einsam und ungelenk wie eine Findlingsansammlung blieb ich mitten im Raum stehen und begann – nach der einleitenden Beschäftigung mit Organisatorischem – schwer Verständliches zu reden.

Selber verstand ich nur so ungefähr, worum es ging, aber das war gut, denn sonst wäre mir ja langweilig geworden und außerdem hätten die Studenten sich ständig gemeldet, um ihren unausgegorenen Quatsch darzubieten. Das tragende Prinzip der Wissenschaft ist schließlich, dass jeder versucht, sich möglichst wenig sagen zu lassen und möglichst viel selber zu sagen. Alles andere ist nur Regelwerk, damit nicht alle durcheinanderreden.

Meine Gedanken über die Transzendenz gefielen mir derweil immer besser. Bald sogar so sehr, dass mir vornahm, ein andermal genauer darüber nachzudenken. Glücklich trieb ich Wissenschaft vor mir her und hätte darüber den Tod fast vergessen, wenn nicht plötzlich eine moppelige Studentin in farblos grauem Christenlook sich gemeldet hätte. Sie hatte dicke, an den Winkeln nach unten gezogene Lippen, die sich bei jedem Atemzug öffneten und wieder schlossen. Freundlich sagte ich: „Ja?“ Und der Nutzfisch meinte das an ihn vergebene Mandat mit der Äußerung annehmen zu müssen: „Ich weiß ja jetzt nicht, wie es da den anderen geht, aber ich hab jedenfalls nicht verstanden, was das alles mit dem Thema des Seminars zu tun haben soll.“

Zum Glück hegte die Mehrzahl der Studenten dieselbe Antipathie wie ich. Gelangweilt schaukelten sie mit ihren Köpfen, die Augen verdrehend über die sie demonstrativ nicht beachtende Mitstudentin (auf die übrigens ausnahmsweise einmal das blöde und selbst bei Seniorstudenten noch altklug wirkende Wort ‚Kommilitonin’ zu passen schien), so dass der Raum aussah wie die Kreuzung aus einer Seeanemone und einem Augentier aus der Johannesoffenbarung. Ich sah den Tod vor mir und fühlte mich nicht gut.

„Ja, das scheint Ihnen jetzt vielleicht noch ein bisschen ungewohnt“, sagte ich und ging zur Hinrichtung über: „Aber seien Sie zuversichtlich: Das werden Sie am Ende des Semesters oder wenigstens am Ende ihres Lebens hoffentlich schon noch verstanden haben.“

Ich fuhr fort. Doch die Freude am Reden blieb mir verleidet. Ich machte eine Viertelstunde zu früh Schluss.

Die Erstsemester klopften auf die Tische – wohl um zu zeigen, dass sie verstanden hatten, dass man das so macht. Der Tod, der bislang mit ordentlich zusammengekniffenen Lippen mitgeschrieben hatte, machte einen letzten Eintrag. Dann stand er unentschlossen auf, und als er durch die Menge ging, da sah es aus wie der liebevolle Schnitt eines Hirten, der ein Lamm schlachtet.

Gerne hätte ich ihm nachgesehen oder wäre ihm gar hinterhergegangen, aber das ging nicht, denn die Militonin stand plötzlich mit beschleunigtem Kimenschlag vor mir und behauptete, in der Anglistik würde man den Studenten im Grundstudium einen Überblick verschaffen, so dass jeder sofort alles wissen würde, was er bräuchte. Und zwar für das ganze Studium. „Außerdem ist es ja doch wohl eher eine Zumutung, dass man hier mit dem Tod im Seminar sitzen muss. Macht ja nichts, dass neulich ‚nur’ meine Mutter gestorben ist. Wer interessiert sich schon für sowas.“

Ich jedenfalls nicht. Die einzige wirkliche Zumutung, das sind auf dieser Welt doch wohl die Leute, für die alles und jedes eine Zumutung ist: Die Steuern, das Wetter und jetzt auch noch der Tod. Als ob da überall ein Unfähiger hinterstecken würde, der einen um Wohlverdientes bringt. Gerade so, als ob das Leben, das zu leben Sie, liebe Zuhörer, sich gerade vorzustellen von mir genötigt werden, dass dieses Leben, wenn es süß war, nichts weiter gewesen sein soll als ein negatives Anbieterbewertungschreiben für e-bay oder ein Neue-Kasse-Besetzen-Klingeln bei Tengelmann. Seit die Deutschen sich multimedial mit der Botschaft zugedröhnt haben, dass sie nicht mehr perfekt zu sein hätten, ist die Stimmung so vergiftet; denn nun will jeder von den anderen, dass sie ihm alle Fehler verzeihen – man vermeint aber umso mehr, ein Menschenrecht auf ein funktionierendes Umfeld zu besitzen, dass es überall einzuklagen gilt. Das kann nicht gutgehen. Und wie die Verfechter der antiautoritären Kritikschulungspädagogik sich wohl fühlen müssen, wenn sie nun, gegen Ende ihres engagierten Lebens, feststellen, dass die einzige nennenswerte Folge ihres Wirkens, ausgerechnet den konsumverblödeten Serviceeinforderern zugute kommt: Als sie in Milliarden von Schulstunden dem phlegmatischen ‚Die-machen-doch-alle-eh-nur-Scheiße’-Geblöke die Aura der Zivilcourage verliehen, da hatten sie offenbar übersehen, dass die angepasste, aufgedunsene, raschwüchsige Wohlstandsplebs fortan selbstwertgesteigert die guten Taten engagierter Verantwortungsträger ins Lächerliche ziehen und Dozenten auf anonymen Evaluationsbögen hinrichten würde.

Das alles sagte ich dem Knochenfisch und hielt kurz inne, da ich feststellen musste, dass meine Betrachtungen nur noch teilweise auf die Militonin zutrafen und eigentlich die Anwesenheit anderer Adressaten erfordert hätten, die aber leider ausblieben. Aus der Fahrt gekommen schloss ich daher, ich könne da sowieso nichts machen, mir seien die Hände gebunden. Prüfungsordnung. Kultusministerin. Eckdatenerlass.

Als ich endlich dringende Termine vorgab und damit die Studentin aus einem Anklage- in ein Beleidigtendasein entließ, war der Tod schon lange weg. Und so war es vorbei, das erste Mal, dass ich ihm ins Auge gesehen habe.

 

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es ist schwer, damit zu leben. Der Glaube an die eigene Unsterblichkeit, von dem man gar nicht wusste, wie sehr man ihm noch anhing, verlässt einen augenblicklich und bleibt verloren. In Gedanken nimmt man die Zeit vorweg, in der man nicht mehr ist. Sieht die Welt daliegen, von einem selbst verwaist. Oder besser: Sieht selbst die nicht, weil, wenn es einen nicht mehr gibt, dann kann man ja auch nichts mehr sehen. Und so weiß man nichtmal, ob und wie alles weitergeht, und das wäre doch wohl das Mindeste gewesen.

Das stellt einen natürlich unweigerlich auch vor das Problem, wie und wann man um sich selbst trauern soll. Ich meine: Wenn man einmal tot ist, dann ist es dafür ja wohl schon zu spät. Aber soll ich meine Tage als Selbstwitwer verleben? Wöchentlich auf einen Friedhof gehen und Blumen an die Stelle legen, wo ich glaube, dereinst begraben zu werden? Soll ich mich da hinstellen, in stillem Gedenken an mich selbst und die mit mir verlebten Tage, und soll ich, wenn ich den Friedhof dann verlasse, tief durchatmen und Kaffee trinken gehen müssen, bis das alltägliche Leben sich endlich wieder dazu bequemt, mich aufzusaugen? Ich glaube, dabei käme ich mir irgendwie lächerlich vor.

 

Drei Tage später jedenfalls, ich saß in meinem Büro und war gerade dabei, eine wissenschaftliche Gedankenpraktik auszuüben, klopfte es an meine Bürotür.

„Ja?“, sagte ich, doch die Tür schwieg mich an.

Es klopfte noch einmal in der selben knöchernen Folge. Ich schlüpfte umständlich wieder in meinen Körper und erhob mich. Meine Beine trugen mich zur Tür und ich öffnete.

„Ja bitte?“, sagte ich, so umgänglich es mir möglich war, noch bevor ich Sichtkontakt gewonnen hatte.

Draußen stand der Tod.

„Hallo“, sagte er und sah mich aufmerksam und ausdruckslos an.

„Guten Tag“, sagte ich und war ein wenig verlegen: „Sie kommen wegen des Referats, nehme ich an.“

„Mm.“ Er nickte.

Ich hätte es wissen müssen: Das Epikurreferat.

„Dann sind Sie also der Herr Jauch. Kommen Sie doch rein.“

Der Tod trat ein und stand dann fremd im Raum wie Stonehenge.

Ich setzte mich.

„Setzen sie sich doch.“

„Danke.“

Was Epikur mit der medialen Kodierung von Transzendenz zu tun hat, wollen Sie, liebe Zuhörer, jetzt sicher wissen. Nun. So ganz fiel mir das in diesem Moment auch nicht mehr ein. Was ich mir wohl dabei gedacht haben mochte, als ich dieses halbgare Referatsthema ausgerechnet an den Anfang der Liste gesetzt hatte? Dahin, wo sich notorisch nur eines der Lämmer, höchstens zwei eintragen. Und diese ein bis zwei wollen dann hinterher auch noch abspringen, weil sie sich so alleingelassen fühlen.

Der Tod indes machte keine einen Absprung ankündigenden Anstalten. Er saß vor mir an dem weißen Trapeztisch, den Rücken steif und die Schenkel aneinandergepresst wie eine Pubertätsanwärterin.

„Was hat Sie denn in mein Seminar geführt?“, fragte ich, als wäre ich mit den Referenten immer leutselig.

„Weiß nicht. Kam mir interessant vor.“

„Und was kam Ihnen so interessant vor? Irgendwas mit Medien machen doch gerade so ziemlich alle. Die Transzendenz?“

„Mm.“

Es folgte eine Stille, die mich zum Reden zwang. Meine Verlegenheit so gut es ging kaschierend fing ich an, laut nach jenem Sinn zu suchen, den die hastige Planung einst meinem durch Oberflächlichkeit lauter gewordenen Geist eingehaucht hatte. Ich glaube, es war irgendsowas wie, dass Epikur alles Transzendente als derart jenseitig fasst, dass es uns eh egal sein kann. Und das wollte ich dann zusammenbringen mit dem Übergang von der Schriftrolle zum Buch. Schriftrolle zugerollt, Buch immer überall zu öffnen. Oder auch Schriftrolle kann aufgerollt gleichzeitig alles zeigen und Buch immer nur einen Teil. Allerdings, musste ich einräumen, ist das Buch erst zweieinhalb Jahrhunderte nach Epikurs Tod entstanden. Aber vorher hatte man ja schon so Wachstafeln buchähnlich zusammengebunden, „nicht wahr? Sie kennen das ja noch.“

„Mm“ Der Tod sah mich reglos oder fragend an.

„Ich möchte Sie etwas fragen.“

„Was?“, fragte der Tod nach einer Weile.

„Nun. Also. Macht es Ihnen etwas aus, dass Sie der Einzige sind, der sich zum ersten Referat gemeldet hat? Ich meine. Erste Referate sind immer, etwas, etwas dünn, etwas spärlich besetzt, aber, Sie müssen selbst sagen, verstehen Sie, ob Sie nicht in eine andere Gruppe wollen?“

„Mm Mm.“ Der Tod schüttelte andeutungsweise den Kopf.

„Gut. Warten Sie, ich muss hier irgendwo die Texte haben.“ Ich beugte mich zu meiner Tasche, kramte darin herum. Endlich fand ich die Zettel in einem Ordner, den ich schon dreimal oberflächlich durchwühlt hatte, und überreichte sie. Der Tod streckte einen Arm aus ohne den Körper aus seiner Starre zu entlassen.

„Nun“, schloss ich endlich: „Sie werden ja selbst sehen.“

„Ja“, sagte der Tod.

„Haben Sie noch Fragen?“

„Mm Mm.“

„Also dann.“ Ich hoffte, der Tod werde sich erheben.

„Sind Sie mit der Aufgabe zufrieden? Sie werden schon sehen. Wenn Sie den Text gelesen haben, werden Sie... Oder haben Sie doch noch Fragen?

Gut. Also. Tschüss dann.“

„Tschüss.“

Erst als ich mich ihn demonstrativ ignorierend an den Computer setzte, war er plötzlich verschwunden.

 

Kurz darauf bin ich gestorben, was ich Ihnen jetzt auch noch berichten möchte. Allerdings muss ich hinzufügen, dass ich zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr der Dozent war, den Sie gerade kennen gelernt haben, sondern ein anderer Dozent, der sich mit ihm das Büro und auch den Namen teilt (was immer wieder zu den drolligsten Missverständnissen geführt hat). Dieser Dozent, also ich selbst, hat dem ersten beim Verleben seiner letzten Minuten beigewohnt.

An jenem Tag saßen wir zusammen im Büro und redeten. Ich selbst redete gerade über den Offenbarungscharakter der Vorabendwissensshows. Worüber Jan redete weiß ich nicht. Ich glaube aber, es war auch der Offenbarungscharakter der Vorabendwissensshows. Da wir beide Wissenschaftler waren, redeten wir immer gleichzeitig. So konnte jeder so viel reden wie er wollte. Niemand musste sich etwas sagen lassen. Denn alles verstehen heißt nie mehr zuhören müssen. Wir waren jedenfalls immer glücklich und es harmonierte prächtig zwischen uns.

Da geschah etwas Merkwürdiges. Irgendjemand musste sich um die seit Jahren in einer Pappschachtel vergilbenden Telefonrechnungen gekümmert haben, jedenfalls düdelte der von der Verwaltung eigentlich abgestellte grau verschmierte Klotz autistisch und doch über sich selbst erschrocken in seiner Ecke vor sich hin und wir hielten verstummend inne vor der Erhabenheit des Unerwarteten.

Lange standen wir vor dem plötzlich geschlüpften Tierchen, doch es hörte nicht auf mit seinen menschenrechtsmissachtenden Klingelsimulakren. Ich fasste mir ein Herz, streckte meine Hand aus, beugte mich zum Tisch und führte vorsichtig den Hörer ans Ohr. Dann überlegte ich kurz und huschte schließlich so leise, dass mein unbekanntes Gegenüber mich wohl kaum verstehen konnte über die Wörter: „Romanisches Seminar, Jan Söffner?“

Es war der Tod. Er hatte das Referatsthema nicht verstanden.

„Moment. Ich verbinde“, sagte ich und hielt die Sprechmuschel zu: „Für dich.“

Jan nahm mir das schmierige Etwas aus der Hand, beugte sich zum Tisch herunter, überlegte kurz und huschte schließlich so leise, dass sein unbekanntes Gegenüber ihn kaum verstehen konnte über die Wörter: „Romanisches Seminar, Jan Söffner?

Ach ja. Natürlich.“ Und er begann zu erklären.

Es war ihm sichtlich peinlich, dass ich ihm nun zuhören und also merken konnte, wie schlecht er seine Seminare vorbereitete. Dabei fand ich das eigentlich eher beruhigend, denn ich selber mache meine Sache auch nicht besser. Wohl angestachelt von der Sorge um die Figur, die er abgebe, ging ihm die Erklärung immerhin etwas besser über die Zunge als das erste Mal.

Dem Tod schien es jedenfalls zu genügen. Irgendwann legten die beiden auf.

Jan war sofort tot. Er hat nicht gelitten.

 

Seit damals sind ein paar Jahre vergangen. Das Telefon hat nicht mehr geklingelt. Und selbst wenn es das täte: Ich glaube, ich würde nicht drangehen. Ich weiß, das klingt jetzt irgendwie irrational, aber ich hätte da so meine Bedenken.

Das Transzendenzseminar habe ich übernommen. Das war ich Jan schuldig, dachte ich mir; vielleicht unnötigerweise. Die Militonin ist zum Glück nicht mehr gekommen. Ihr Vater sei jetzt auch noch gestorben, hat sie in einem fadenscheinig als (übrigens natürlich nicht erforderliche) Entschuldigung getarnten Beschwerdeschreiben mitgeteilt. Der Tod hat noch ein ganz passables Referat gehalten. Die Hausarbeit war dann aber leider nur geht so.

Jan fehlt mir sehr. Mit niemandem habe ich mich so gut unterhalten können wie mit ihm. Er war ein ausgezeichneter Wissenschaftler, von dem man viel lernen konnte; und vielen war er nicht nur ein geschätzter Hochschullehrer, Kollege oder Verwandter, sondern auch ein treuer Freund. Ab und zu besuche ich sein Grab, auf dem mein eigener Name steht, und bringe Blumen vorbei. Danach muss ich Kaffee trinken gehen und es dauert meistens lang, bis das alltägliche Leben sich endlich dazu bequemt, mich wieder aufzusaugen.

Ich finde, seine Geschichte kann uns ein Gleichnis sein. Vielleicht dafür, dass der Tod, selbst wenn man sich auf ihn vorbereitet, immer unerwartet kommt. Mitten ins Leben hinein – ins Leben, das noch auf so mancherlei hinauswollte: Essen, trinken, dicke Autos, Sex, Palmenstrand und so weiter. Worauf der Tod hinauswill, das weiß ich jetzt statt dessen nicht so genau. Will er vielleicht nur die Schuld begleichen, die sein Anblick in meinem Seelenhaushalt hinterlassen hat? Das schiene mir ein bisschen zu philosophisch, um noch hinhauen zu können. Außerdem: Wenn es wirklich das ist, dann kommt er mir nicht mehr erstaunlich, dafür aber immer beängstigender vor, und ich sollte mich mit ihm wohl besser nicht mehr beschäftigen.

 

Ueber den Autor:

 

Ich wurde am 20.5.1971 in Bonn geboren und bin seither nicht gestorben. Lesen und schreiben habe ich in den letzten Jahren ausgiebig geübt – eine literarische Vorgeschichte habe ich aber nicht. Zur Zeit arbeite ich als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Romanischen Seminar der Uni Köln (worauf ich in meiner Erzählung Bezug nehme).

 

Kontakt:

 

Jan Söffner

Severinskirchpl. 8

50678 Köln

Tel.: 0221 35 13 19

E-Mail: jan.soeffner@uni-koeln.de

 

 

 

ADÈLE ATZERT/ Amsterdam                     

 

Sag es nicht, versprich es mir

 

Wenn’s sein muss, kann sie sich zur Ruhe zwingen. Lena weiß, was sie heute erreichen will.

Ich habe den Gashahn zugedreht, ich brauche nicht noch einmal zurück, ist nur eine dumme Idee.  Der Herd wird nicht explodieren.

Der  Hundertfünfundvierziger hält knapp vor ihren Füssen. Lena springt hinein und rast die Treppe hinauf ins obere Busabteil.Alles normal an einem Tag, an dem sich ihre nächste Zukunft entscheidet.

Das schaffe ich. Ich schaffe das.

Die Herbstsonne besänftigt in diesem Augenblick die Gejagten. Berlin, das Monstrum im Zauberlicht. Eine Stunde lang wird es den Berufsverkehr erträglich machen. Die  Menschen können sich auf den Abend freuen. Lena nicht, sie will heute die Rolle ihres Lebens bekommen. Die, die sie von einer unerträglichen Arbeit in einem unerträglichen Nachtclub mit unerträglichen Männern befreit. Noch sechzig Minuten bis zum Vorsprechen in Kreuzberg, in der Probebühne.

Eilig nimmt sie Platz, direkt über dem Fahrer. Eine wunderbare Aussicht, sechs Meter über der Strasse, leicht und mühelos erscheint das Leben von oben, wie im Stummfilm.

Von außen betrachtet, wäre das Leben einen Oskar wert.

Der Spätnachmittag einer uralten Stadt mit Marotten rauscht  namenlos vorbei. Lena schafft es fast immer hier zu sitzen. Sie kann auch drängeln, wenn es sein muss. Sie ist jung, schön, schlank, mager fast. Einen echten Diamanten trägt sie im Bauchnabel. Der lenkt die Blicke dorthin, wo sie sie haben möchte. Manchmal starrt man sie an, als wäre sie bereits berühmt. Dann genießt sie ihr Dasein, nur dann.

 

Der Bus hat die richtige Geschwindigkeit, die anderen Fahrgäste schweigen zum Glück. Gelassenheit auf den Gesichtern. Menschenhülsen unterwegs zu Immergleichem.

 

Dieser Busfahrer ist angenehm, weil er nicht anwesend ist. Eine  Fahrerhülse. Lena kennt andere. Männer, die Polizist am Steuer spielen, die ihre Fahrgäste anbrüllen, oder so anfahren, dass sie kopfüber gegen eine Stange zum Festhalten knallen.

„Bahnhof Zoo, alles aussteigen, Endhaltestelle.“

Lena  springt vor den andern aus dem Bus. Sie schaut auf die Armbanduhr des Mannes neben ihr, ein  Tourist, vierzigjährig, Geschäftsmann mit Trolli, gepflegte Erscheinung. Er kann den Blick nicht von ihr abwenden. Lena bemerkt es, lächelt ihn an, aus Versehen, kurz nur. Er springt auf die Seite, sie hat es eilig, er will ihr Platz machen. Er verliert sich, stolpert, entschuldigt sich, aber die junge Schöne ist schon wieder aus seinem Leben  verschwunden. Aus dem Bahnhof quellen die Menschen hervor, ergießen sich wie Lava auf den Kurfürstendamm.

Lena hat noch fünfzig Minuten. Der U-Bahn Schacht schluckt sie. Lärm, Gedränge und unterdrückter Zorn werfen sich über sie wie eine Heizdecke. Hastig kontrolliert sie Schlüssel, Handy, Zigaretten, Geldbörse, Schminktäschchen, alles da in der rosa Umhängetasche. Sie eilt die Treppe hinunter.

 Linie sieben? Warschauerstrasse? U-Bahn oder Bus zur Cuvrystrasse?Verdammt, ich weiß es nicht. Bus!

Sie rast die Treppen wieder rauf, zwei Stufen zugleich.

Stop!  Ein Penner. Der könnte dir seinen Hund auf den Hals hetzen.Nein, keinen Ärger bitte, heute nicht.Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts

Lena kann rennen wie Franka Potente. Sie eilt zur Haltestelle

Wo bleibt der Scheißbus?

Die Leute nerven. Massen im Kaufrausch, ich hasse es. Männer als Handtaschenträger und Einkaufskulis für traurige Frauen. So nicht. Dies mir nicht. Niemals. Und wenn ich alt und einsam im dritten Hinterhof in Charlottenburg krepiere. Dies mir nicht. Die Halbglatze da watschelt neben seiner Frau wie ein verlorener Badewannenerpel, giftgrüne Samtjacke, wie kann man nur, die Currywurst hängt ihm noch an der Lippe. Oder der da, der Möchte-gern-Zorro, schon sechzig, schwarzes Toupet, eingezogener Bauch und ein Thaimädchen hängt  ihm am Arm, Saftsack!

Lena kann seit ihrem siebten Lebensjahr Zwiegespräche führen, sie ist sich selbst dann Tochter oder Freundin. Je, nachdem, was die Wirklichkeit ihr abverlangt.

Endlich der Bus. Ein freier Platz hinten, neben einem Schüler in Zelthose und Dröhnmusik aus dem Kopfhörer. Widerwillig  macht er ihr etwas Platz.

„Unk, unk unk vor Zeiten war ich jung, hätt’ ich einen Mann genommen, wär  ich nicht in den Teich gekommen.“

Der Schüler starrt sie entsetzt an. Hat sie laut gesungen? Sie weiß es nicht. Blick auf die Uhr. Kein Grund zur Panik. Noch nicht.

Lena  kramt ihren Taschenspiegel hervor. Blasses Gesicht, große dunkelblaue Augen, wie der Planet Erde, sagt Thorsten, der Freund.

Sie schaut den Schüler an, stolzer Großstadtblick.

Nein, ich bin nicht Lola und ich renne auch nicht. Ich bin Lena Zarowski, im gebärfreudigen Alter. Eigentlich blond, aber heute feuerrothaarig. Mein Freund will ein Kind von mir. Und vielleicht will ich es auch. Heute morgen, stell’ dir vor, holte er mich um sechs in der Bar ab: „Komm, sagte er einfach “ich bring dich nach Hause, kannste noch ein paar Stunden schlafen.“

Sie setzte sich hinter ihn aufs Motorrad und weinte ihm in die Lederjacke. Das ist zehn Stunden her, da war die Luft anders und anständige Menschen waren noch in ihren Betten. Die Bäckereien waren geöffnet und einer dieser Tage hatte begonnen, an dem sich von einer Minute zur anderen alles ändern konnte.

Etwas hatte Thorsten gespürt. Zu Hause angekommen, hob er sie vom Motorrad. Er trug sie. Erst durch den ersten Hinterhof, dann durch den zweiten und dann drei Stockwerke hinauf, bis er schnaufend vor ihrer Wohnungstür mit den aufgeklebten Plastikrosen stand.

 

Lena schaut hinaus, die Sonne geht über dem S-Bahnhof Wittenbergplatz unter, ein Feuerball, nach einem letzten Tag im Herbst.

 

Ob die Flokatijacke gut kommt? Wie würde Franka Potente in dieser Situation dreinschauen? Wie würde sie den Produzenten begrüßen? Hände schütteln, ja oder nein?

Wie der Kerl da vorne über seinem Steuer hängt, eine der üblichen Kröten sicher.

 

Die Blicke des Busfahrers taxieren sie kurz im Rückspiegel. Kein Kommentar. Irgendwie beruhigend. Lena.sagt ihre Rolle noch einmal in Gedanken auf. Die Straße nass, schweres Rot im Abendlicht.

Eine junge Mutter steht mit zwei Alditüten in jeder Hand, sie blockiert den Eiligen den Ausgang.

Gleich fällt der Buggy um, und das kleine Monster fängt an zu plärren. Warum flucht denn keiner, wie sonst? Komisch, das alles hier, die Leute sind  anders, als wüssten sie etwas. Ach. Ich spinne mal wieder, das ist Stress, da muss ich durch.

 

Es ist, als ahne jeder einen gemeinsamen Frieden, einen Abschied, als wüsste jeder, dass alles  anders wird. Kaltes, einsames Sein in einer Stadt, die nicht schlafen kann. Niemals. Eine Stadt, in der die gelben Doppeldecker wie Bienen im Viertelstundentakt hin und hersummen, effizient und grauenerregend pünktlich. Lenas Gedanken hetzen wie ein junger Hund von der Mutter, zum Casting, von ihrem Herd zu den Männern in der Bar, von dort zu den Männern hier im rollenden Käfig.

Sie erwischt einen Blick des Fahrers, er erinnert sie an etwas. Als habe er ihre Gedanken gelesen, lächelt der Mann.

Sein Gesicht ist viel zu braun für diese Zeit des Jahres. Aber er hat etwas. Irgendwie zärtlich, verdammt noch mal! Hör auf zu grinsen, oder ich steige aus, sofort, ich bin nicht bei der Arbeit, du geiles Miststück.“

Als habe er verstanden, blickt der Fahrer auf die Straße und beschleunigt, streift um ein Haar einen Radfahrer.

„Bist wohl lebensmüde, wa?“ schimpft er über Lautsprecher. Diese Stimme. Lena kennt sie, sie gehört zu etwas Entsetzlichem.

 

Beeil dich, fahr gefälligst  und quatsch nicht..

 

Der Mann an der Tür, treuer Familienvater, Lehrer wahrscheinlich, 50 cm von ihr entfernt, will nicht aussteigen. Er starrt sie an, wendet sich erst von ihr ab, nachdem seine Blicke sie ausgezogen haben. Er hat seine Haltestelle verpasst, brummelt etwas, ist endlich weg.

 

Lena verfängt in den dunklen, großen Augen eines gleichaltrigen Mädchens in langer Strickweste und schwarzem, enggebundenen Kopftuch.

Diese Jacken  tragen sie alle. Und das Kopftuch. Freiwillig sagen sie. Wer es glaubt. Bin froh, dass ich hier geboren bin, nicht da, wo man mich an Einen  aus der Großverwandtschaft kettet. Irgendwo nagelt man ihnen das Kopftuch in den Kopf, wenn sie es nicht tragen wollen. Arme Mädchen, so alt wie ich.  Egal jetzt. Ich muss diesem Typ am Steuer aus dem Weg gehen. Ich kenne ihn? Aber woher? Woher?

 „Nollendorfplatz, Umsteigemöglichkeiten zu den Linien...“ Die Stimme des Busfahrers dringt in sie ein, durchbohrt sie. Menschen kommen ihr zu nahe, berühren sie, der Bus hält.

 

Bremsen quietschen, schreiend wie Mutter damals, als Lena es ihr sagte. Das ist es also. Der Busfahrer und der Onkel. Eine Person?

 

Ein Kind rast über die Straße, bei Rot. Der Fahrer flucht, die Gemüter in Flammen. Lena wird schlecht, sie will sich übergeben, ihr Magen ist leer.

Ich muss raus, egal  wohin, ich weiß nicht, was los ist, ich halte diesen Kerl nicht aus, weg hier, nur weg.

Es ist zu spät. Die Leute lassen sie nicht durch, schieben sich vor sie, bilden eine Mauer.

Sie haben sich gegen mich verschworen, sie halten zu dem Kerl, sie kennen ihn. Sie wollen mir an den Kragen.  Ihr schlägt der Mundgeruch eines jungen Polizisten in Uniform entgegen, Zwiebeln, Bier, Zahnfäule,

Du musst den Frosch küssen, du hast es versprochen.

Dieses Märchen, wie damals, als der Onkel kam und versprach, ihr vorzulesen, bis Mama wiederkäme. Kein Entrinnen, aussichtslos. Gefangen in einer riesigen gelben Blechbüchse.

 

„Bitte den Ausgang freihalten. Nun machen Se schon, auch die junge Dame, mit dem Feuerschopf, bitte sehr.

Sie erstarrt. Das ist Onkel, das ist er. Mama weiß nicht, was er vor hat, wenn er so spricht, so sanft, wie der Frosch im Märchen. Er will mir was schenken, ich soll ihn küssen, er ist eklig, glitschig. Ich bin die Prinzessin mit der goldenen Kugel, ich verspreche ihm nichts. Ich will hier raus, sofort.

Es ist heiß im Bus. Die Gesichter, höhnische Fratzen, einer Unterwelt entstiegen, um ihr, Lena das Grausen zu lehren, weil sie ihr Versprechen nicht halten konnte.

Sie wird ohnmächtig, fällt in den Gang. Der Polizist fängt sie auf, hält sie in den Armen, schlägt sie ein paar Mal, dass sie wach wird.

Der Fahrer fragt über Lautsprecher:

„Alles o.k mit der Kleenen?“

 Der meint mich.„Ja, ja, Entschuldigung“, murmelt Lena, sie dankt dem Retter lächelnd. Eine Oma bietet ihr einen Schluck Mineralwasser an. Jetzt sehen die Leute freundlich aus, das Leben geht  wieder dahin, wohin es gehen will.

Lena  reibt die Hände an der roten Hüfthose ab.

„Dominikusstrasse,“ die Stimme des Mannes schüttelt sie.

In welchem Bus sitze ich? Sie erinnert sich an eine vier, als sie am Zoo einstieg.

Die Strasse glänzt, alte Leute könnten auf den Herbstblättern ausrutschen.

 

Kein Fahrgast mehr!

 

Sie stürzt nach vorn, der Bus leer, der Mann am Steuer hat sein Radio an und summt mit

Da stimmt was nicht. Lena zittert, der Onkel, früher, sein Geruch, sein unrasiertes Gesicht, mit dem er ihre Wange fast blutig rieb, dieser Mann ist es. Kein Entkommen. Sie sinkt auf den Platz hinter ihm, Gefangene seiner Augen im Rückspiegel.

Der Bus biegt in eine Seitenstrasse ab. Lena weiß, dies ist nicht seine normale Route. Die Zeit bleibt stehen, ein Todesurteil,

Ich bin allein mit diesem Mann von früher, der es auf mich abgesehen hat. Ich bin selbst schuld, weil meine Haare zu rot und meine Lippen zu voll sind. Meine weiße Flauschjacke hat ihn provoziert, er sieht Schnee und Blut. Ich bin allein und kann nicht schreien. Alle sind weg. Wenn ich nicht ruhig bleibe, wird er mir weh tun. Er wird sich hier im Gang auf mich werfen und mir die Kehle zudrücken. Ich werde an seinem Geruch  ersticken. Er wird seinen Verschrumpelten  rausnesteln. Die Wut, dass er nicht kann, wie er will, wird ihn noch brutaler machen. Er wird den Bus parken und mich umbringen. Davor oder danach? Ich wusste, einmal würde es so kommen. Einmal. Ist das heute? Ich werde Thorsten nicht mehr sehen. Er wird weinen. Es tut mir leid, verzeih mir. Mutter, arme Mutter. Ich sage nichts, ich lasse ihn.

Lena starrt den Fahrer an. Die Umhängetasche ist auf den Boden gefallen, in Trance hebt sie sie auf und streift sie sich über die Schulter.

„Tun Sie mir nichts“ sagt sie tonlos.

Der Fahrer dreht sich um. Glattrasiertes Gesicht, gelassen, zeitlos, die Farbe seiner Augen tritt zurück. Er lächelt, als hätte er das Geheimnis der Stille entdeckt. Das Geheimnis der Tür, die in einen Raum führt, den Lena noch nie betreten hat. Plötzlich  ist es gut, so wie es ist. Dies ist die Wahrheit, spürt sie.

 

” Na, Kleene, wat haste denn? Wat kiekste denn so? Is wat?”

 

“ Bitte, ich muss um sechs Uhr in Kreuzberg  sein, fahren Sie dahin?“

 

“Nee, da biste falsch, Kleene. Wat regste dir denn so uff?”

Sie schaut diesen Mann genau an.

Er sieht aus, als ob er  gut riecht. Rotes,  frisch gebügeltes Seidenhemd, spannt ein wenig über dem Bauch, dunkelblaue Hose, Stoff vom Feinsten.

Glatze, blaue Augen, planetenblaue, wie meine. Bequeme Schuhe, feinstes Rindleder, italienisch wahrscheinlich. Etwa fünfundfünfzig.

” Ich, ich, bitte, ich komme zu spät.“ Der Mann schaut sie an: "Kleene, wat kann ik für dich tun?“

„Ich will vorsprechen um Punkt sechs. Ich will die Rolle im Marienhof. Außerdem muss ich wieder nach Hause, um nachzuschauen, ob alles o.k. ist. Ich weiß nicht, ob ich meinen Herd ausgestellt habe.“

„Dass du nich ganz richtig tickst hab ik schon jemerkt als du  rinjestiejen bist, ik kenne meene Pappenheimer. Ik habe Feiaabend und du tust ma leid. Ik wees nich warum, könntest meene Tochter sein. Wat haste denn, warum biste so bleich wie een Bettlaken? Hast wohl nischt jejessen? Wie läufste denn ooch rum, nackter Bauch bei so einem Wetter. Willst dir wohl eene Lungenentzündung einfangen, wa? Nee, det versteh ik nich. Is ja ooch nich mein Bier. Ik bring dir jetze dahin, wo de hin mußt. Dann kannste wieda richtig schniefen. Künstlerin, det hab ich ma schon jetacht! Wo willste den hin? In de Cuvrystrasse? Na, machen wir doch, keen Thema, in zehn Minuten biste am Ort von deine Wünsche.“

 

Der Mann dreht die Musik lauter. Lena setzt sie sich hinter ihn. Ihr ist, als wäre sie seit Ewigkeiten mit ihm zusammen. Als führe er sie allein im Doppeldecker durch eine ausblauende, wohlwollende Stadt, die an ihr vorbeigleitet. Lautlos, um sie zu erfreuen.

Das Gefühl zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Keine Furcht, keine Flammen.                     .

„Kunst, muss ooch sein, iss ja jut, wenn man de Leute zum Lachen bringen kann. Ik finde den jut, der imma soviel jetrunken hat, vor kurzem isser wohl jestorben.Oda nich? Ik wees det nich. Wat die ihm allet anjedichtet haben. Den hamse sojar in de Klapse fotojrafiert. Oder bei ena Entziehungskur. Nee, berühmt sein, dat wär nischt für mich. Aba dette, dat war echt ‘n juter Typ. Der hat sich jeopfert, dat andere über ihn lachen konnten.Ik liebe meenen Beruf, und meene Frau. Ik fahre die Leute rum und bring se dahin, wo se hin möchten. Is doch jut. Ik wollte schon als Kind Busfahrer werden.“

„Ich muss meinem Freund eine SMS schicken:’Bin mit dem besten Busfahrer der Welt unterwegs’.”

„ Pass uff, dat der nich eifersüchtig wird, Männer sind zarte Wesen.“

Der Fahrer lacht, es macht ihm Spaß, seinem Alltag entronnen zu sein. Dieses Mädchen braucht seine Hilfe, offensichtlich hat sie ein Problem, das nur er lösen kann. Er wächst in seinem Fahrerstuhl und Lena lacht mit:

„Und ich dachte, du wärest der Frosch und ich müsste dich küssen und dann an die Wand klatschen. Krass, was?“

„Nu mach aber man halblang, nix für ungut, kleenett Frollein, du hast mir een Schrecken einjejaacht, wie du umjefallen bist. Aba nu biste ja wieder obenuff, denn isset ja jut.“

 

Er  dreht sich zu ihr und lächelt sie an. Sie riecht ihn. Kokos und Ananas. Ein Berliner Fahrer in einer Karibikduftwolke.

„Wer kauft dir diesen Geruch?“

„Meene Frau. Sie würde dir gefallen. Sie interessiert sich ooch für Stars, sieht selba aus wie eener. Nee, ehrlich, ik habe de schönste Frau von de Welt.“

„Cool, echt cool!“

„Sie arbeitet im KadeWe in der Parfümabteilung. Ik hol se da ab. Gleich is Feierabend. Nächste Woche jeht’s ab in de Ferien. Costa Brava, da fahrn wa jedet Jahr hin. Is echt jut da. Freu ik ma schon. Costa Brava. Wat will der Mensch mehr?“

„Wie heißen Sie?“

„Hans“, strahlt er „Dat sind meene Enkelkinder.“

Er reicht ihr seine Brieftasche. Brav bestaunt sie die Bilder. Es ist Viertel vor sechs.

„ Wo sind wir?“

„Reg dir nich uff, Kleene warte, wir sind gleich da. Ik bring dir zu de Halsabschneiders. Da willste doch hin. Oder nich? Hätte zwar zur Endhaltestelle fahren müssen, aba uns wird schon keener erwischen.“

„Das glaubt mir keiner, mit einem Busfahrer und Marvin Gaye durch Berlin. Wahnsinn!“

„ Warte, ik ruf meene Frau an:„Hans hier, ik bin in  Kreuzberg, komme ein paar Takte später. Nee, allet paletti. Det erzähle ik dir späta. Ik hab hier so een kleenet Sternchen, det muss ik erstma abjebn. Bis gleich.

So, nun musste aba aussteigen, Kleene, sonst kommste su spät su deine Rolle. Schlesische Strasse, Ecke Cuvrystrasse, bitte schön, die Dame.“

 

Lena springt auf, steigt aus, zur richtigen Zeit steht sie vor der Probebühne. Sie schaut dem Bus noch nach, bis die Stadt ihn wieder in einer ihrer nächtlichen Umarmungen verschlungen hat.

 

Ueber die Autorin:

 

Geboren  in Hann Muenden, Niedersachsen

Pädagogik- und Soziologiestudium in Heidelberg, Berlin.

Regieausbildung Hochschule der Künste Amsterdam

Theateranimation in Italien, langjährige Lehrtätigkeit am Goethe-Institut Amsterdam

Sprecherin, Übersetzerin niederländisch-deutsch

Geschäftsführerin von Cantadora Kreativitätstrainings

Zur Zeit: Dozentin für Schauspiel und Rezitation in Amsterdam und Utrecht

 

Kontakt:

Adele Atzert, Tolstraat 148

NL/1074VM Amsterdam

www.cantadora.nl

E-Mail cantadora@web.de

Tel.0031 20 6790630

0031 651279213

 

 

 

 

2. Platz: Petra Ottkowski/Leipzig

 

Zoounfälle

 

Nigel fand es blöd, Fische zu streicheln. Er hatte die Mütter in Verdacht, dass ihre Kinder sich in dem Bassin Eis und Schokolade abwaschen sollten. Träge wichen die Karpfen den weichen Kinderhänden aus. Die meisten Leute wussten nicht, dass selbst in den Rückenflossen der friedlichsten Fische versteckte Stacheln saßen.

 

Das Becken schmiegte sich um den Fuß einer Wendeltreppe und Nigel liebte die Stille, die ihn oben empfing, dieses Eintauchen in eine dämmrige Welt. Ein runder Raum mit einer Milchglaskuppel vor der fluoreszierende Haie aus Pappe schwebten. Unterhalb der Kuppel das Ringaquarium, mannshoch; gewaltige Wassermassen hinter dickwandigem Glas. Haie, die mit offenem Maul geradeaus schwammen, in einer endlosen Kreisbahn um den Betrachter herum.

 

Nigel setzte seinen Walkman auf und versuchte Jule zu vergessen. Er hatte den Verdacht, dass sie ihm heimlich folgte. Am Karpfenbecken hatte sie ihre vielfach beringte Hand durch das Wasser gezogen. Später hatte sie ihn beschimpft:

Du hast keine Ahnung vom Streicheln.

Dabei wollte er nur nicht die feine Schleimschicht über den Schuppen zerstören.

 

Nigel stellte sich das Leben unter Wasser angenehmer vor. Fischmännchen hatten es bequem, so lange sie keine Seepferdchen waren.

Am meisten faszinierten Nigel die Klasper der Haie. Gleich der doppelte Satz von Begattungsorganen, die sich einzeln oder zusammen in die Kloaken der Weibchen stecken ließen. Haie und Rochen gehörten zu den wenigen Fischen, die ficken konnten. Und dafür hatte man sie besser ausgestattet als jedes andere Tiermännchen der Welt. Beneidenswerte Variationsmöglichkeiten.

Mein liebes Fräulein, welcher Schwanz darf es heute sein?

 

Er musste an die Zoopraktikantin denken, die in ihrer grünen Latzhose vor dem Aquarium gesessen hatte und beneidete sie um das Privileg, den verborgenen Technikraum zu betreten. Vielleicht durfte sie einen der Haie mit der Hand füttern. Mit einem Fisch, den sie in einem Kettenhandschuh vor seinem Maul zappeln ließ. Er hatte gelesen, dass in manchen Zoos Haie einzeln gefüttert wurden, damit sie nicht zu groß wurden.

 

Er war auf der Bank leicht eingenickt, als er feuchte Hände über seinen Augen spürte, dann etwas Kühles, Metallisches. Ruckartig setzte er sich auf. Jule! Konnte sie ihn denn nie in Ruhe lassen?

„Sag mal, spinnst du? Und dann noch mit nassen Pfoten!“, beschwerte er sich.

„Ich habe gerade die Koi gestreichelt“, sagte Jule.

 „Ich würde lieber einen Hai anfassen. Wusstest du, dass Haie auch Zähne auf der Haut haben?“

Und sie testen ihre Beute vorher mit der Flosse. Nigel musste an abgeschossene, sinkende Schiffe denken. An Überlebende, die im offenem Meer trieben. An Haie, die sie tagelang umkreisten.

 

Später saßen sie im Teichcafé. Trotz des heißen Nachmittags waren noch Plätze frei. Viele Rentner tranken ihren Kaffee lieber aus der Thermoskanne auf der Parkbank.

„Ich war mal nachts im Flughundhaus“, sagte Jule.

„Was?“

„Nachts bei den Flughunden“, wiederholte sie.

„Wie hast du denn das geschafft?“

 „Ich bin öfters nachts im Zoo.“

 

„Wenn du willst, können wir zusammen gehen“, sagte sie.

„Hast du nie Angst?“, fragte Nigel. Er dachte an die seltsamen Geräusche, die von überall her zu kommen schienen, in der Dunkelheit. Geräusche, die aus Bäumen und Büschen zu ihm drangen, aus leeren Gehegen und bei manchen Lauten fragte er sich, ob sie von Affen stammten oder einem Vogel. Der Pfau konnte miauen wie eine Katze und Nigel war einmal zwischen schattenhaften Büschen zum Ausgang gerannt, immer schneller. Und als er die Flamingos gehört hatte, war sein Herz bis in den Hals gesprungen.

 

„Nachts ist es wie im Dschungel“, sagte Jule.

 Mit der Kuchengabel zeigte sie zum Eisbärengehege.

„Wusstest du, dass vor zwei Wochen ein Mann in das Gehege gefallen ist?“

„Was?“

 „Sie haben ihn am nächsten Morgen im Wassergraben gefunden. Ertrunken.“

„Warum?“

„Keine Ahnung. Ein junger Asylbewerber, erst neunzehn, traurig, was?“

„Ein Verrückter weniger.“ Nigel verstand nicht, wie jemand auf solche Ideen kam.

 

„Nachts passieren allerlei merkwürdige Dinge“, sagte Jule. „Vor einem halben Jahr fand man einen Tierpfleger bewusstlos im Giraffengehege. Ein Bulle hatte ihn gegen die Wand gedrückt.“

Sie stand auf.

„Wir können gerne mal zusammen nachts eine Zoo-Session machen“, sagte sie. „Aber nicht heute.“

 

Was Jule machte, konnte er auch. Selbst wenn es im Aquarium nicht so viele Verstecke gab wie im Flughundhaus. Wo in den Bäumen große Schmetterlinge flogen, wenn die Flughunde erschöpft in den Zweigen hingen. Es gab dort einen Teich mit einer hölzernen Brücke. Hatte sich Jule darunter gelegt? Oder im Dickicht der Pflanzen ausgeharrt? Zwischen den geschlitzten Blättern riesiger Monsteras, von denen ein kümmerlicher Verwandter bei Nigel neben dem Fernseher einstaubte. Was seine Eltern sagen würden, wenn er nicht nach Hause käme?

 

Im Aquarium war es immer noch voll, selbst oben bei den Haien. Die Familien mit den Kleinkindern harrten bis zum Schluss aus und ignorierten die Durchsagen. Nigel hatte Glück. Ein Baby fing an zu weinen, worauf Kinderwagen eins die Wendeltreppe hinuntergetragen wurde.

 

Nachdem alle verschwunden waren, schlich Nigel die Stufen hinunter. Er lauschte. Stille. Ab und zu ein Platschen. Als ob eine Schildkröte ins kühle Nass plumpste. Oder ein Krokodil sein schweres Maul ins Wasser zog. Er huschte wieder nach oben und versteckte sich unter der Bank, die sich um die Treppenspindel zog. Er hoffte, der Schließer würde nicht hinaufkommen.

 

Es war kalt unter der Bank. Der Boden hart. Niemand kam. Nigel dachte über sein Hochbett zu Hause nach. Wie es wohl wäre, oben ein Aquarium zu haben? Am besten vier Stück, von allen Seiten Fische. Schlafen inmitten einer Wasserburg. Eine Klapptür, die man von der Leiter aus nach oben stieß. Spaßeshalber rechnete er die Belastungsmomente für die tragende Konstruktion aus, als er hörte, wie die Eingangstür aufging.

 

Jemand bewegte sich um das Karpfenbassin. Einige Meter unter ihm. Ein Plätschern, als würde ein Koi herausgezogen und wieder ins Wasser geworfen. Es geschahen in der Tat seltsame Dinge nachts im Zoo. Vielleicht fand man diesmal am nächsten Morgen einen leblosen Tausend-Euro-Fisch.

 

Dann ein lautes Planschen. Als ob ein Delfin ins Wasser sprang. Oder vielleicht eine Zoopraktikantin. Eine, die abends mit den Kois badete, bevor sie abschloss. Am liebsten würde er aufstehen und nachschauen. Vielleicht war es gar nicht die Praktikantin, sondern Jule. Nackt zwischen weichen, geschmeidigen Karpfen, die unter ihren angezogenen Beinen hertauchten.

 

Dann war es wieder still. Nigel schaute nach vorn.

Etwas schwamm in der Haibrühe, was nicht hinein gehörte, ein Band, wogend wie eine Wasserpflanze. Oder wie eine Gloriole über einem mittelalterlichen Bild. Oder wie eine Blutspur. War das Band jemandem beim Füttern ins Becken gefallen? Einer Tierpflegerin, die ihren Kopf zu weit vorgestreckt hatte? Und Angst hatte, es wieder herauszufischen.

 

Für Sekunden ließ seine Aufmerksamkeit nach. Um so mehr erschreckten ihn Schritte, ganz in seiner Nähe. Etwas bewegte sich die Treppe hinauf. Da war ein Keuchen, ein starkes Keuchen. Wie von einem schweren Mann.

Das Schnaufen verstärkte sich. Jemand war oben. Und ein Geruch von Seewasser. Dann hörte er ein Klopfen. Ein leises Klopfen gegen Glas. Ein ähnliches Geräusch, das Kinder machten, um einen Fisch heranzulocken.

 

Das Klopfen veränderte sich, mal war es näher, dann weiter entfernt, als lägen Wassermassen dazwischen. Dann hörte es auf. Die Schritte hörten sich angstvoll an. Da war ein Zurückweichen, eine Angst, als seien die Dinge jenseits der Glasscheibe noch ungeheuerlicher. Die Schritte eilten an ihm vorbei, schnell. Nigel konnte nur etwas Schwarzes erkennen, undeutlich. Wer immer es war, lief jetzt die Treppe hinunter. Dann fiel unten die Eingangstür ins Schloss.

 

Nigel schaute zum Wasser. Ein Rochen schwamm vorbei, groß, dunkel, wie ein Drache mit einer zu kurzen Schnur. Er schwebte so sanft, dass Nigel verstand, warum es Leute gab, die sich von Stechrochen umarmen ließen. Von mächtigen Brustflossen, größer als sie selbst. Fische, die, wenn man im Sand auf sie trat, ihren Schwanz peitschenartig hervorschleudern konnten. Und deren Giftstachel sich mit Widerhaken ins Fleisch bohrte.

 

Nigel fragte sich, wie er die Nacht überstehen sollte. Da ging das Licht aus. Er hatte sich die Dunkelheit nicht so absolut vorgestellt. Die Zeitschaltuhr. Die Simulation einer tropischen Nacht. Wenigstens konnte er jetzt aufstehen. Es war egal, ob er lag oder stand. Man konnte ihn nicht sehen. Er setzte sich auf die Bank, sein linkes Bein war eingeschlafen. Ohne Sandalen traute er sich aufzustampfen. Das war leiser. Da bemerkte er, dass er in etwas Feuchtes trat. Wasserspuren. Er zuckte zurück. Aber immerhin bestätigte sich seine Theorie, dass jemand mit den Karpfen gebadet hatte. Jemand, der schwer atmete und Angst hatte, mehr als er selbst.

 

Die Stufen der Wendeltreppe waren kalt, auch hier und da Nässe. Für Momente glaubte er in Blut zu treten. Nigel bückte sich und benetzte einen Finger. Es roch eindeutig nach Wasser, nach Salzwasser.

 

Unten war es heller. Licht von einer fernen Parklaterne fiel durch ein Fenster, vor dem ein Aquarium stand, und  die Schatten des Fensterkreuzes bewegten sich wie Wellen auf dem Boden.

Nigel war sich nicht sicher, ob jemand ihn beobachtete.

Aber er wollte die Chance nicht ungenutzt lassen. Vorsichtig näherte er sich dem Eingang. Die Klinke fühlte sich ebenfalls nass an, als er sie hinunterdrückte. Aber die Tür ließ sich nicht öffnen.. Im Dämmerlicht  erkannte er  einzelne Aquarien. Vorn das Seestern-Becken, dahinter Schaulandschaften mit Korallen. Aber vor allem ging es dort nicht weiter.

 

Nigel wandte sich zu dem Aquarium am Fenster. Selbst wenn er es schaffen sollte, auf das Becken zu klettern, würde er den Fenstergriff nicht erreichen.

Er versuchte es im Terrarium. Es war dunkel, als hätte man an den Fenstern Rollläden hinabgelassen.  Er musste aufpassen, dass er nicht in den Teich mit den Kaimanen stolperte. Er musste sich am Rand bewegen, seine Finger über Glasflächen streichen lassen. Draht. Verdammt. Die Schlangen. Die hatte er vergessen. Nigel zog schnell seine Hand zurück. Mit einem Schuh klopfte er leise an die Käfige. Da war eine Tür.

Er hatte schon den Griff umschlossen, als ihm einfiel, dass sie zu dem Nisthügel der Alligatoren führen konnte. Er lief weiter. Direkt daneben gab es eine zweite Tür. Eine von ihnen führte in die Betriebsräume. Nur welche?

Sicherlich die Erste. Sie führte tatsächlich in einen kurzen Gang. Rechts hingen Besen und Schaufeln, wie Nigel ertasten konnte. Geradeaus eine steile Treppe. Oben gab es nur die Möglichkeit, in einem sanften Bogen nach links zu gehen. Ein schmaler Gang über den Terrarien.

 

Ein weiterer Flur, eine starke Rechtskurve, bis Nigel erkannte, dass er sich hinter dem Ringaquarium befand. An einer Wand stand etwas, das einer Tiefkühltruhe ähnelte. Mit der Hüfte stieß er gegen einen langen Tisch, auf dem Dosen lagen, wahrscheinlich Trockenfutter. Unweit daneben ein Käscher. Er war nass, als hätte man ihn vor nicht allzu langer Zeit benutzt. Dann die Anlagen: Wasseraufbereitung, Heizung, Kühlung, Klimatechnik, Futterbecken.

Vor der gebogenen Glaswand hinter der die Haie schwammen, stand ein Podest, auf das die Tierpfleger kletterten, um in dem Becken arbeiten zu können.

 

Da stand ein Stuhl, ein einfacher Holzstuhl. Über seiner Lehne hing etwas. Ein Kleidungsstück. Ein Badeanzug. Nass. Das Wasser tropfte nicht mehr aus ihm heraus. Unter dem Stuhl hatte sich eine Pfütze gebildet. Der Badeanzug war ein  altmodisches Teil mit verstärkten Körbchen. Irgend so ein Fünfziger-Jahre-Modell mit wattierten, spitzen Brustschalen. So einen hatte seine Mutter auch als junges Mädchen besessen. Nigel erinnerte sich an das Foto-Album, das zu Hause rumlag, in dem Schrank hinter den Süßigkeiten. Er musste an eine weitere Geschichte denken, die er als Kind geliebt hatte. Ein Mädchen, das von Delfinen gerettet worden war. Dieses hier schwamm mit Haien und Muränen.

 

Komm zu mir.

 

Es klang zärtlich, wie ein Flüstern aus dem Wasser. Ein Hall wie Musik, Sirenengesang. Da war es wieder. Eine ganz reale Nixe, eine Zoopraktikantin mit schwebenden Brüsten wie eine Galionsfigur an einem alten Segelschiff. Es war, als wollte sie ihn einladen mit ihr zu schwimmen. Etwas platschte gegen die Scheibe. Vielleicht ein Fisch.

 

Komm, klang es wieder. Diesmal traurig, fast ein wenig leidend. Rief das ferne, unbekannte Mädchen um Hilfe? Dann klang es fröhlicher, wie ein Lachen unter Wasser. Wollte sie ihren verbotenen Traum mit ihm teilen?

Nigel war verunsichert. Warum hatte sie gerade ihn ausgesucht?

Machte sie das öfter, mit dem Mann, der als letzter Besucher übrig geblieben war. Nicht nur in den Schwimmbädern gab es nachts spannende Partys.

Nur dass er mit ihr allein war.

 

Er stellte sich ihren Körper vor. Kein Fischschwanz wie im Märchen. Beine, die er streicheln konnte, die sich gierig um ihn schlangen. Im Wasser glitschige Lippen, offener Zugang, angeschwollen wie ihre Brüste.

 

Er wollte zu ihr. Ihre Stimme klang wie aus weiter Ferne. Als wollte sie sich ihm entziehen. Ihre Worte klangen drängend, als sollte er sich beeilen. Als würde sie sonst verschwinden. Weit weg.

 

Nigel zog seine Hose aus. Seine Schuhe stellte er unter den Stuhl. Sollte er noch etwas anbehalten? Andererseits waren die Boxershorts hinderlich, sie sogen sich mit Wasser voll. Nigel musste an die zarten Bisse der Minifische im Baggersee denken, ihr zartes Knabbern an seinen Armen, winzige Zähnchen. Und dann dachte er wieder an das Mädchen. Was für einen Mund sie wohl hatte und ob sie ihn küssen würde?

 

Nigel fragte sich, wie riskant es war, in dem Aquarium zu schwimmen. Er wusste, dass Haie Menschen für gefährlicher hielten als sich selbst. Einen so großen, überraschenden Eindringling würden sie nicht angreifen. Und die kleinen Riffhaie waren ohnehin harmlos. Er musste nur aufpassen, dass er sich nirgendwo schnitt.

 

Aber da war wieder dieses Komm. Als wollte sie sich verabschieden.

 

Nigel stellte sich kurzentschlossen auf den Stuhl. Er fragte sich, wie das Mädchen ins Wasser gelangt war. Da gab es keinen verbreiterten Glasrand, wo man sich draufsetzen konnte. Er schaffte es, die Beine über den Beckenrand zu schwingen. Dann ließ er sich fallen. Das Wasser war kälter, als er gedacht hatte. Er durfte nicht auf dem Sandboden aufstoßen und einen schlafenden Rochen erschrecken.

 

Nigel glitt vorsichtig wieder nach oben. Es war dunkel. Wassernacht.

Um ihn herum schwammen Fische. Er wusste nicht, ob neben ihm ein Hai schwamm oder ein Stör. Er selbst war nur ein Fisch unter vielen. Ein kiemenloses Exemplar, das Luft holen musste. Aber nur unter Wasser schien er sie hören zu können. Sie, deren Stimme fern klang, weit weg, aus der Tiefe, als ob sie sich mit ihren Freundinnen traf, in dem Unterwasserschloss der Meerjungfrauen.

 

Er musste ihr folgen, nur wenn er schwamm, konnte er sie hören. Er wagte sich weiter vor und ließ sich fallen. Die Strömung trieb ihn voran. Sachte. Manchmal schwamm ein Fisch neben ihm, manchmal einer unter ihm. Nach zehn, zwölf Schwimmzügen stieß er nach oben zur Wasseroberfläche.

 

Etwas berührte ihn. Wie ein schwerer Fisch, der ihn rammte. Vielleicht ein Hai. Obwohl einen so Großen hatte Nigel nie hier gesehen. Bei keinem seiner Besuche. Der Fisch folgte ihm. Nigel spürte sein Maul in seinen Kniekehlen. Ein vorsichtiges Stupsen. Es fühlte sich anders an, als er es sich vorgestellt hatte. Nicht weich, eher metallisch. Er versuchte auszuweichen, schwamm fort, als er über sich einen Schatten spürte. Nigel konnte ihn nicht sehen, aber er wusste, dass er da war. Die wie ein Teppich über ihn hinwegziehende Rochendame. Nigel war es, als hätte er selbst Seitenlinienorgane und Lorenzinische Ampullen. Mit denen er Fische orten konnte. Ihre Vibrationen und elektrischen Felder.

 

Aber er hörte nichts mehr. Als hätte er sein Gehör verloren. Und das Mädchen. Da war nur noch Stille, eine kalte Nacht um ihn herum. Er wollte nur noch weg. Raus aus diesem Wassertank. Da sprangen die Lampen über dem Wasser an. Nigel war, als würde er in dem Inneren einer Blechdose schwimmen. Ein metallischer Riesen-Donut. Verspiegelt, orientierungslos in der endlosen Weite, in der sich Fische verdoppelten, und er immer nur bis zur nächsten Kurve sehen konnte. Er wusste nicht mehr, wo er war. Die Steine, der Sand. Alles sah gleich aus. Er hätte sich das Einstiegsloch merken sollen.

 

Nigel hob den Kopf aus dem Wasser. Dann stieß er an eine Decke. Beton. Der Luftraum über ihm maß gerade mal zwanzig Zentimeter, vielleicht etwas mehr. Er war verloren. Wie ein Taucher unter einer Eisdecke. Vielleicht war er in dem Teil des Rings, hinter dem sich kein verstecktes Podest entlang zog. Er durfte nur nicht panisch werden. Am liebsten würde er einarmig weiterschwimmen, die andere Hand an der Decke, bis er wieder Luft über sich spürte, viel Luft.

Er tauchte an den Höhlen vorbei, in denen Muränen sich versteckten. Lose übereinandergeschichtete Steine, bemoost und glitschig.

Da entdeckte er das Mädchen. Sie schwamm an ihm vorbei, flüchtig, ohne ihn zu bemerken.

 

Sie war tatsächlich nackt. Ihre Haare schwammen wie Seetang hinter ihr her. Dunkel und lang. Konnte es Jule sein? Einen so merkwürdigen Badeanzug wie das Ding auf dem Stuhl würde er ihr zutrauen. Aber Jule hätte ihn längst entdeckt. Und wozu hätte sie solchen Aufwand betreiben sollen? Sie hätte ihn gleich mitnehmen können.

 

Dieses Mädchen hatte etwas Kaltes. Sie raste durch das Wasser, als säße ein Motor unter ihrem Bauch. Selbst die Haie wichen ihr aus, als hätten sie Angst mit ihr zusammenzustoßen. Da fiel das Licht aus. Als hätte sie gewollt, dass er sie sah, um ihn danach der Nacht zu überlassen, dunkler, kälter als zuvor.

 

Vielleicht reizte es sie, einen Mitwisser zu haben. Jemand, der von ihr berichten konnte. Von der nächtlichen Schwimmerin. Ihm missfiel die Situation, in die sie ihn gelockt hatte. Mit einer Stimme, die vielleicht gar nicht ihr gehörte.

 

Er spürte, dass sie wiederkam. Licht war hinter ihr, wie das schwankende Licht einer Taschenlampe, in deren Lichtkegel eine Felswand auftauchte. Sie drängte ihn geradewegs aufs Riff zu. Er konnte nicht ausweichen. Er fiel gegen raue, scharfe Wände, sein Arm schürfte auf. Er versuchte sich an einem Spalt festzuhalten, um nicht weiter fort gerissen zu werden. Es war ihm egal, ob das Felsloch geladen war. Diese Frau war gefährlicher als jede Muräne. Da ließ sie von ihm ab. Nigel glitt nach oben. Erschöpft holte er Luft. Er befühlte seine Arme, noch hatte der Schmerz nicht eingesetzt. Er sank wieder nach unten.

 

Da schoss sie erneut auf ihn zu. Für Momente war er geblendet. Ihre Augen steckten hinter einer dickglasigen, altmodischen Kindertauchbrille, die ihre Augen merkwürdig vergrößerte. Ihre Brüste waren von unten beleuchtet, über ihr bewegliche Schatten an der Wasseroberfläche. Dann zog sie an ihm vorbei.

 

Das war kein Mädchen, dachte Nigel. Das war eine Maschine. Er musste zu sehen, dass er aus dem Becken kam. Schnell, möglichst schnell. Er könnte die Felswand hinaufklettern. Vor einem Muränenbiss hatte er weniger Angst als vor einem Schlag mit einer Taschenlampe. Das Riff war seine einzig Chance. Überall sonst waren die Wände zu hoch, zu glatt.

 

Er tastete mit dem rechten Fuß die Wand ab. Da gab es einen kleinen Vorsprung. Vielleicht gab es noch mehr Vorsprünge. Dann müsste er nicht in einen Spalt fassen.

Er zog sich Stück für Stück höher. Gleich hatte er es geschafft. Er konnte schon über den Glasrand sehen. Er sah den Raum, den Tisch, die Tiefkühltruhe. Da zog etwas an seinem Bein. Er versuchte nach unten zu treten. Aber er konnte sich nicht befreien. Der Zug wurde stärker. Eine solche Kraft hatte er ihr nicht zugetraut. Seine Hände verloren ihren Halt und er fiel. Tiefer, tiefer. In die Nacht. Er würde sterben, hier unten. Es würde wie ein Unfall aussehen. Ein Unfall wie beim Mann im Eisbärbecken.

 

Ueber die Autorin:

 

Petra Ottkowski, geb. 1967 in Münster, lebt als Malerin in Leipzig. Eine Bibliografie gibt es von mir - bisher - noch nicht, wenn man von einer Veröffentlichung im Lesestoff 04/ 2003 absieht

 

Kontakt:

Petra Ottkowski Gestalterin) Simildenstr. 8, 04277 Leipzig. Tel. 0341-3918203. ottpet6@web.de

 

 

3. Platz: Dr. Caroline Rusch/ Augsburg

 

Mare Tristium

Wo ich ihn her hatte? Von dem Fest bei Wanda oder irgendeinem anderen, wo es ebenso öde war wie bei ihr. Schon eine ganze Weile hatte er mich angestarrt, mit hellen, etwas hervortretenden Augen, deren Botschaft zwingend einfach war: Sie ließen einem keine andere Wahl als die der Nacktheit. Gleißend war dieser Blick und geradezu rein in seiner Eindeutigkeit. Weil all das Unbeholfene ausgewaschen, die dreisten Anzüglichkeiten herausgeschliffen waren, vollends jene verräterischen Posen vor Spiegeln, die doch bloß ein Bett reflektierten, auf dem ich wartete, namenlos und seitenverkehrt.

Er war schon betrunken gekommen. Gleichgültig, wie vielen Bierdosen er den Ring abzog, er verhielt sich ziemlich ruhig und betrachtete den Raum mit einiger Aufmerksamkeit. Trübe blickten seine Augen hinüber zu Wanda, um sich jedes Mal, wenn sie dabei auf mich trafen, wieder in jenes glitzernde Grau zu verwandeln. Ich lehnte im Türrahmen und genoß es. Nach einer halben Stunde ging ich zu ihm und setzte mich auf seinen Schoß. Und da war alles genau so, wie ich es mir gedacht hatte. Ich rutschte ausgiebig hin und her, weil es eine lange Nacht verhieß mit ausgesuchten Strapazen, genauesten Betrachtungen und einer Kunst des Warten-Lassens, die ihresgleichen suchte.

Seither sahen wir uns regelmäßig. War er in der Stadt, rief er mich auf meinem Handy an und bettelte um ein Treffen. Vielleicht gehörte das zum Ritual, vielleicht war es sein Wesen, da er nie an etwas anderes zu denken schien. Jedes Wort, jede Geste war eine drängende Vorbereitung, eine Hast, die man sich eigentlich sparen konnte. Denn erst, als wir allein waren, ob dies nun auf dem Nadelfilz seines Büros in der Akademie war, der meine Knie bluten ließ, in einem steinhart gefrorenen Acker oder in den abgestandenen Betten irgendwelcher Leute, die gerade auf Reisen waren, verlangsamte sich alles und gerann zu kältester Perfektion. Zeit hatte ich genug.

Woran immer er arbeitete, ich erfuhr es nicht. Diese Welt kümmerte mich nicht besonders. Ab und an war in der Zeitung wieder von einem Preis zu lesen, der ihm verliehen worden war und den er, seine Frau an seiner Seite, entgegen nahm, während die Blitzlichter gingen und sein verheertes Gesicht mit all seinen Kratern und Klüften in Großaufnahme ausleuchteten. Darunter stand so etwas wie: Jaan, der Gewinner des diesjährigen europäischen oder Sonstwo-Kunstpreises und seine bezaubernde Frau.

Seine Frau war in einem Alter, wo man schwer wird, auch wenn man auf sich achtet, ganz wie meine Mutter, deren Stimme fast jeden Tag auf meinem Anrufbeantworter war. Näheres habe ich nie gewußt und gefragt erst recht nicht. Eine arme Frau war sie sicher nicht. Damit hätte mir auch keiner kommen können, mir, welcher der Gedanke Spaß machte, daß sie sich keine Minute sicher sein konnte, wo die Finger ihres Mannes steckten. Ich nicht wußte, ob Jaan sie nun belog oder wie sie eigentlich lebten. Er hatte einmal von einem Sohn gesprochen, von einem Hund und einer Terrasse. Als ein Puppenhaus mit ausgeschnittenen Figuren drapierte ich es und beließ es damit ein für alle Mal dabei: eben ein Tisch, ein Sohn, ein Hund, eine Terrasse, Frau und Mann.

Zu mir kam Jaan übrigens nie, wie auch keiner sonst. Mein Appartement ist nicht so, daß ich jemanden darin haben will. Er wollte Sex ohnehin dort, wo zu riechen und hören war, daß Menschen lebten, wo Strümpfe schmutzig wurden, wo man Kohl verdaut hatte. Wie die heruntergekommenen Holzhäuser in Raua unten am Hafen, wo die Russen ihre Kampfhunde in den Schlaglöchern ausführten oder, die Boxen voll aufgedreht, in ihren Autos auf Scherereien warteten. Da stieg ich dann an aufgebogenen Briefkästen vorbei schief abgetretene Treppen hoch zu irgendwelchen Zimmern, deren Schlüssel er besaß. Wo es nach Katzen stank, nach Zwiebeln und Schlaf, und in den Ecken der Müll am Verputz nagte. Das kannte ich. Einmal raste ein besoffener Junge in einem Einkaufswagen die Vesivärava bergab, wobei er Jaans Wagen schrammte, umfiel und davon hinkte, so schnell er nur konnte. Jaan, der ruhig am Fenster gestanden war und zusah, wie der Bursche hinter dem Supermarkt verschwand, wandte sich wieder um: Ich wartete schon. Davon abgesehen ließ er sich nicht lumpen. Auch sah er es nicht gern, daß ich Wäsche zweimal trug. Mit der Zeit quollen die Schubladen über und das Zeug landete ungewaschen auf dem Teppich.

Meinetwegen hätte es ruhig so bleiben können. Ich hatte immerhin etwas zu tun. Die Nachmittage mit ihm zerfielen langsam oder sie dehnten sich aus, bis schließlich alles danach roch und es grau wurde vor den Fenstern und endlich dunkel. Manchmal störte mich, daß er nicht an Essen dachte, vielleicht, weil er den ganzen Tag über trank. Ich trinke nicht und so wurde mir oft übel vor Hunger. Dann wurde ich sehr böse mit ihm, riß ihn an den Haaren und schrie, er solle aufhören. Bloß schauen durfte er noch, nichts sonst. Und er jammerte und winselte, aber ich blieb hart, bis wir zwischendurch zu Mac Donalds fuhren, und ich erinnere mich, daß er mir einmal ein Kindermenü kaufte, ein Pappdeckelhaus für eine geschmacklose Plastikpuppe als Dreingabe. Sehr witzig. Danach konnte man weitermachen, bis man sich trennte mit einem süßen und faden Schwindel, leer und doch nicht angekommen. Ich stakste nach Hause und fiel aufs Bett, nicht, ohne mir meine Porträts anzuschauen, und dann so wie ich war einzuschlafen. Waschen war nicht mehr.

Seit vorigen Herbst lief das nun. Sonst geschah nicht viel und trotzdem war es eine Überraschung, daß es schon wieder Sommer war, als er mir ein bißchen sentimental zu werden schien, der gute Jaan. Bis jetzt war er mir niemals mit Ideen gekommen wie einem gemeinsamen Frühstück oder einer Reise, ganz zu schweigen von ernst gemeinten Spaziergängen. Aber nun: Vilsandi, eine Insel, noch hinter Saaremaa, was ja schon am Ende der Welt lag. Ein winziges Eiland, auf dem es... sage und schreibe, seltene Vögel geben sollte? Was willst du da? Zeit verbringen mit dir, außerdem muss ich mal wieder raus aus der Stadt, sagte Jaan.

Ersteres war ganz und gar nicht in Ordnung. Was er und ich taten, konnte man doch so nicht nennen, beim besten Willen nicht. Meine Zeit verbrachte ich ausschließlich mit mir und wie das aussah, ging niemanden etwas an. Ob ich es nun vorzog, auf leere Blätter zu starren, oder mir ab und an einen Weg ins Bad zu bahnen, vielleicht mal bei jemandem vorbeisah, unangemeldet, weil mir plötzlich etwas Komisches eingefallen war, gerade eben, als die Wohnung auf einmal so winzig geworden war, daß ich mit meinen 155 cm viel zu groß dafür war. Manchmal war es auch umgekehrt: Da war ich es, die klein und immer kleiner wurde, und meine Haut wuchs riesig über mir, darüber wölbte sich mein Zimmer und alles wurde größer und größer. Jaan sollte gefälligst bleiben wo er war: auf einer Terrasse, mit einem Sohn und einem Hund oder so ähnlich. Schließlich ließ ich mich breitschlagen. Natürlich nicht, ohne daß er mir zuvor ein paar Wünsche erfüllte, wovon die orangefarbene Plastikjacke von Gucchi einer war. So gut stand sie mir zu meinem schwarzen Haar, passte genau auf den zierlichen Körper, der auch einmal fett werden würde wie der meiner Mutter, mit den spitzen Brüsten und den kurzen, aber gut geformten Beinen. Natürlich nahm ich diese Jacke nicht mit aufs Schiff.

Vor einer Einfahrt lud uns ein Bauer ab. Bevor er sich anschickte, das Gepäck hineinzutragen, wies er mit dem Kopf hinüber zur Vogelstation, wohin angeblich Forscher aus aller Welt kämen, um den Flug irgendeiner aussterbenden Gans genau zu studieren. Ich hatte schon jetzt meine liebe Not mit den hohen Schuhen. Seit der Überfahrt war mein Bauch eiskalt, mit solchem Wind hatte niemand gerechnet. Auf meinen Beinen hockten schon die Mücken und bei jedem winzigen, ziehenden Sog schwor ich, das würde er mir büßen. Ich war kein Typ für Inseln.

Ein Schotterweg führte quer über die Insel zu den kleinen Höfen, gelb und rot gestrichene Holzhäuser. Aus der Ferne kam ein dumpfer, langgezogener Ton und weit draußen über dem Wasser zuckte ein Blitz. Danach blieb alles ruhig, abgesehen von den heftigen, warmen Böen, die an den Zweigen zerrten. Man kannte Jaan hier offenbar, weil man uns überhaupt nichts fragte. Bisher gab es hier nur zwei Sorten Vögel: die einen kreischten und trieben in einem grellen Himmel wie an Fäden. Pfeilschnell stürzten die anderen in spitzem Winkel unter das Dach, wo sie ihre gefräßige Brut fütterten. Spar dir die Belehrung, ich weiß, es sind Möwen und Schwalben. Jaan genoß die Gesichter dieser Inselleute, und es war das einzige Mal, daß er mir etwas für sich genommen beschrieb: allesamt glatt, rotverbrannt und frisch. Das stimmte. Doch waren es vor allem Menschen, die nach kurzer Zeit verlegen auf ihre riesigen Hände starrten, nachdem sie uns betrachtet hatten. Jaan empfand dieses Unbehagen wohl nicht. Vielmehr war er stolz auf mich und lief hinter mir her, stets in gebührendem Abstand, weil er gerne zusah, wie der Hintern schaukelte unter dem Fetzen, in den ich ihn gepackt hatte.

Reine Zeitverschwendung war das hier. Wobei dies anscheinend längst nicht für alle galt, die mit uns auf der Insel waren. Die meisten nächtigten auf dem benachbarten Zeltplatz mit Plumpsklo, wo man nach jeder Benutzung Torf in die Grube schaufeln mußte. Leute, die so alt waren wie ich, saßen um ein Feuer und einer von ihnen spielte Gitarre. Rauch stieg von den Grillwürstchen auf und machte mir Appetit. Aber für mich fiel das Essen wahrscheinlich aus, Jaan vergaß einfach darauf. Andere Sommergäste saßen vor diesen hell erleuchteten Holzhüttchen, die innendrin aussehen wie alte Schränke voller Spinnweben, während sie rauchten und sich die Beine mit Histaminen einsprühten.

Nachdem es dann lange genug auf dem Meer umhergeschlichen war, kam das Gewitter kurz vor Mitternacht mit großem Getöse und Sturm. Neben den Gestalten, die im prasselnden Regen hastig ihre Schlafsäcke ins Zelt packten, erleuchtete es auch unser Zimmer mit diesem blumenübersäten, knarzenden Ehebett. Das Gewitter war viel lauter und heftiger als eines in der Stadt, weil es diese Glocke aus Wärme und Abgasen nicht gab. Schließlich trieben wir auf einer winzigen Insel in der Ostsee. Außerdem hatte es den Sommer über kaum geregnet und jetzt hörte es sich an, als platze das ganze aufgestaute Wasser in einem einzigen Schwall aus den Wolken.

Immer wieder tauchte Jaans Gesicht aus dem Dunkel, bläulich und gezeichnet von Gier und Durst. Seine Augen wichen mir nicht aus, der Blick glitt einfach weiter und nie war es ihm genug. Als ich endlich genug hatte, drehte ich mich weg, und erst jetzt fürchtete ich mich vor dem Donner der überall und nirgends am Himmel war. Jaan schlug nun jenen Ton an, lachend, scherzhaft jammernd. Wie ein verzogenes Kindes beschwerte er sich, er sei noch geil und könne noch nicht schlafen. Das ist ja nichts Neues, es wird dir schon etwas einfallen, meinte ich, blieb auf der Seite und ließ ihn machen. Aber wozu man deshalb auf eine Insel fuhr, war mir schleierhaft. Wenigstens frische Luft sollte man haben von einem Ausflug. So langte ich aus dem Bett und öffnete das Fenster. Drüben glitzerten die Blätter und man hörte die Leute murmeln und lachen in ihren Zelten, obwohl es in Strömen goß.

Morgens saßen wir unter einem blanken Himmel an einem der weinroten Plastiktische im Garten, auf den die umsichtige Hausfrau eine Vase mit gelben Blumen gestellt hatte. Wir schwiegen. Wenn ich Hunger hatte, sank der Blutzuckerspiegel ab, so daß ich nur unzusammenhängend sprach. Dann doch lieber gar nichts. Oder hätte ich fragen sollen, ob es auf jener Terrasse, worauf seine Frau und der Hund saßen, auch solche Gartenmöbel gäbe? Es wurde schließlich Zeit, daß sich die Szenerie ein wenig bevölkerte oder nicht? Natürlich nicht.

Hernach gingen wir noch einmal zurück ins Zimmer und als ich wieder herauskam, zitterten mir die Knie und die Haut wuchs wieder weit und hoch, und ich lag winzig klein in irgendeiner Falte irgendwo und fiel, wenn ich nicht aufpasste, tief in die leere Hülle meiner Arme und Beine. In einem solchen Zustand war auch nicht gut reden. Seinem Gesicht nach zu urteilen, fühlte auch Jaan sich nicht besonders wohl. Wir ließen uns zum Leuchtturm und hinunter zum Strand bringen. Der Bauer hatte keine Zeit und so fuhr uns sein Sohn. Ein Junge mit abstehenden Ohren, wie Henkel angebracht an einem rotbraunen häßlichen Gesicht, darin weit auseinander stehende Augen. Aber er trug einen silbernen Ring am Mittelfinger, der seine Hand angenehm schwer machte.

Im Sand rollte ich mich auf den Bauch und weigerte mich beharrlich, mit Jaan im seichten Wasser umherzupaddeln. Worauf das hinauslief, war klar, doch im Wasser war es mir immer sehr unangenehm. Hernach lief einem die Ostsee an den Beinen herab und nicht bloß das. Daher blieb auch er liegen, an mich gepresst und rührte sich kaum weg um zu trinken. Natürlich war das abstoßend. Dennoch gefiel mir, daß er sich gar nichts daraus machte, ob er nun schwitzte oder nach Rauch und Bier stank, ob er barfuß lief über Möwendreck und trüben Schlick, um anschließend seine Zehen auf mir spazieren zu führen. Er ließ mich zwar keine Minute in Ruhe, aber er fragte auch nichts Dummes.

Wer immer hier ein Paradies finden wollte, sollte das gerne tun. Nicht ein einziger mickriger Reiher, dafür jede Menge Mückenstiche war meine persönliche Ausbeute. Und so war ich annähernd glücklich, als wir wieder auf der Ladefläche des winzigen Traktors vorbei an den uralten Windmühlen fuhren. Bewegungslos standen die im gelben, feuchten Gras. Niemand sonst fuhr mit uns, die jungen Leute vom Zeltplatz und die anderen Passagiere gingen die drei Kilometer zum Hafen zu Fuß. Als wir an ihnen vorbeizuckelten, sahen sie auf und amüsierten sich über die beiden da oben, durchgerüttelt von Schotter und Kies wie zwei unansehnliche Puppen. Das hätte ich auch getan. Wir beide sahen lächerlich aus, keine Frage, aber das war es nicht allein. Der Mann hätte leicht mein Vater sein können. Durch eine seltsame erratische Verteilung unserer Gene hin durch Völkerwanderungen und Zeiten hatten wir obendrein beinahe dieselbe Zahnstellung. Meine Eierstöcke schmerzten.

Am Hafen war viel los. Zwei Boote fuhren ab in Richtung Festland, voll mit Ausflüglern, das waren ja auch so etwas wie Insekten. Unseres sollte dieser Bauernlümmel steuern. Hoffentlich kann der das auch, dachte ich, denn es sah schon wieder nach einem Gewitter aus. Bloß nicht nervös werden. Vorsichtshalber wurden als Regenschutz schon Müllsäcke verteilt, in die oben ein Loch für den Kopf geschnitten war. Selbstredend lehnte ich den ab, da ich mein gehäkeltes Bikinioberteil und den kurzen Rock trug. An Bord waren jetzt ein paar Arbeiter, zwei Familien mit Kindern, und ein junges Paar. Hoch bepackt mit Treckingzeug, wovon jedes einzelne bestimmt sündhaft teuer war und womit sie hätten zum Mond fahren können. Es waren Finnen, weißblond beide, und bei beiden sah die Kopfhaut durch und verlieh ihren Haaren einen abscheulich rosafarbenen Schimmer.

So komm doch endlich... bitte, rief ich hinüber zu Jaan, der unten am Hafenbecken saß und seine Füße in Dieselschlieren und Möwendreck hing. Wir fanden gerade noch Platz auf der Bank. Im Heck stand der Junge in einer Öljacke und ließ den Motor an. Schwarze Schwaden stiegen auf, als wir beidrehten und aus dem Hafen fuhren. Hoch oben gingen schnell die Wolken und ballten sich in einer Ecke des Himmels. Der Junge prüfte mit eng gekniffenen Augen das Wetter.

Die Männer standen oben am Bug, gelehnt an die Reling und sahen hinab. Uns gegenüber hockten die Finnen. Jaan hatte genügend Publikum. Er legte seine Hand auf meinem Bauch und flüsterte mir dreckige Dinge ins Ohr, was auch eine Weile nett sein kann. Vor allem wenn ein Boot schlingert, ordentliche Familien in deinem Blickfeld, mit Mama und Papa und zwei Kindern, alle niedlich im Seeräuberlook, drall und rund und sichtlich zufrieden. Das war überhaupt nichts für mich, sofort brach mir der Schweiß aus, weil sie so dick und nahe waren. Außerdem rochen sie bestimmt nach frischer Luft und Erdbeeren. Auf der Stelle wünschte ich mich in mein Zimmer mit seinen vergilbten Vorhängen, wo meine Porträts hingen und es nach Rauch und vergammeltem Obst roch. Das hatte doch was. Ebenso das ganze Zeug auf dem Teppich. So sicher wie ich seit Monaten auf Seite zehn meiner Arbeit steckengeblieben war, so wenig war ich in der Lage, irgend etwas um mich herum irgendwie hinzustellen. Das konnte ich noch nie, weil mir sowieso immer alles hinunterfällt: vom Leib die Klamotten, volle Aschenbecher von Büchern, Teller vom Stapel, das Telefon vom Regal.

Stellenweise war das Wasser so seicht, daß man den dunkel gewellten Sand sah. Immer wieder glitten winzige Inseln an uns vorbei. Auf dem schlammigen Grün stand blau der Strandhafer und jede Menge Vögel flogen auf. Natürlich, was auch sonst. Durch Ferngläser wurden die nun aufgespürt und entzückt beobachtet, danach durften die Kinder gucken und nach einer Weile sagten die dann mit falscher Begeisterung, um es ja Papa recht zu machen: Jaja, ich sehs schon, da sind sie. Doch ich wußte genau, daß die Kinder nur durch die Linse starrten und rein gar nichts erkannten.

Es hatte zu regnen begonnen, doch die Luft war warm. Mochten die anderen nur kichernd diese blauen Kutten überziehen, es schien ja geradezu ein Mordsspaß zu sein. Völlig ungerührt blieb auch das finnische Pärchen. Wahrscheinlich trugen sie irgendein Hightech-Material, das sie und ihre Ausrüstung trocken hielt. Die beiden hielten Abstand voneinander, so gut es eben ging und redeten die ganze Fahrt über kein einziges Wort. Das Mädchen ließ ihre Hand im Wasser treiben und sah zurück nach Vilsandi. Auf der Nase hatte sie einen Sonnenbrand, der nicht zum Ring im linken Nasenflügel passte. Er wiederum blickte aufmerksam in Richtung Festland, nüchtern und praktisch sah er aus, beschäftigt mit einer Karte. Wahrscheinlich machten die beiden ernst mit dem Trekking und ließen sich ihre teure finnische Haut wochenlang von den Mücken zerstechen.

In einer dieser Furten nun bedeutete unser halbwüchsiger Kapitän den Leuten, sich anders zu verteilen, weil er befürchtete, wir könnten an der seichtesten Stelle auf Grund laufen. Ich sah uns schon alle miteinander auf einer dieser Inseln kampieren und überlegen, wen wir zuerst umbrächten. Als zwei Männer vom Bug herunter kletterten, zog Jaan mich auf seinen Schoß und ich spürte seine Zunge an meinem Hals und saß hart. Er ließ mich nur los um aus seiner Plastiktüte die letzte Bierdose zu klauben. Die Männer sahen vor sich hin. Es war, als seien wir gar nicht vorhanden. Einzig das kleine Mädchen rutschte von der Bank, stellte sich vor uns hin und glotzte mit großen ängstlichen Augen, als habe sie noch nie etwas Derartiges gesehen. Nicht anzunehmen, daß Mama und Papa je so saßen. Da mußt du durch, dachte ich, das vergeht schon wieder. Irgendwann wachte ihre Mutter aus ihren dummen Gedanken auf und zog das Kind rasch neben sich, wo es sitzen blieb und fror. Keiner sagte einen Ton. Die Finnin starrte immer noch dorthin zurück, wo die Uferlinie der Insel längst verschwunden war. Als sie schließlich den Kopf wandte, nahm sie ihre Sonnenbrille ab und sah uns an mit Augen, als habe jemand einen Pinsel mit blauer Wasserfarbe in ein Glas eiskalten Wassers gehalten. Ihre Wimpern waren so weiß wie das Haar. Ruhig wanderte der Blick über mich hin, dann spürte ich, wie Jaan sich verkrampfte. Nachdem sie unserer müde wurde geworden war, setzte die Finnin langsam ihre Brille wieder auf, um sich aufs neue der See zu widmen. Ohne sich ihr zuzuwenden, legte ihr Freund seine Hand auf ihren Oberarm, einen Moment bloß, leicht und dann ging sie wieder zurück, um sorgsam die Wanderkarte in einer Plastikhülle zu verstauen.

Dem Jungen am Heck ging immerzu das nasse Haar in die Augen, der heftige Wind zog die Haut so straff über die Knochen, dass sein Gesicht zu einer Grimasse erstarrte. Mit der Hand, die schon die eines Mannes war, wischte er sich die Regentropfen von der Stirn. In der nassen Öljacke sah er viel besser aus, nicht mehr so linkisch und ich hätte gute Lust gehabt, diese Kinderhaut, die so glatt, so braun und rotwangig war, und die sicher noch keine anderen Lippen als die seiner Mutter gekostet hatten, mit den meinen schmutzig zu machen. Ich lächelte ihn an. Wie bläulich das Augenweiß dieses Schäfchens war. Wenn er es bemerkte, dann hielt er sich ruhig und kümmerte sich nicht darum. Er würde seiner Lebtage zwischen Vilsandi und Papisaare hin und her fahren und genau wissen, wie man Untiefen meidet.

Als der rote Kirchturm in Sichtweite kam, hing auch schon die erste Möwe über uns und begleitete das Boot bis zur Anlegestelle, dort, wo sich die Russenkinder das Sprungbrett gebaut hatten. Jaan hatte seinen Wagen am Hafen geparkt, und beide stöhnten wir, weil es so stickig darin war, daß noch nicht einmal das offene Fenster half. Nachdem wir langsam auf der alten, rosafarbenen Kopfsteinpflasterstraße ins Dorf gelangt waren, tankte er erst einmal voll. Worauf er seine Brieftasche durchs Fenster reichte und mich bat, zu bezahlen, er sei sehr müde. Ich gab einem blonden Tankwart das Geld, der mir konzentriert herausgab und zum Abschied eine Handvoll Sonnenblumenkerne anbot. Hey, ich bin doch kein Vogel, sagte ich zu ihm und wir lachten los. Es klang fast richtig, dieses Lachen.

Viel später erst, als wir schon eine ganze Weile gefahren waren und die Autofähre bereits hinter uns lag, streckte Jaan zögernd seine Hand nach mir aus. Ich schüttelte den Kopf. Nicht ohne Bedauern nahm ich nun diese Hand, die ich weglegte und die dort auch liegen blieb. Es wird Zeit, daß du auf deine Terrasse gehst,  für mich wird’s auch Zeit. Halt dich daran, ich werde das auch tun. Ob er nun schwieg, weil er sich auskannte bei mir oder weil er so erledigt war, weiß ich nicht. Er sah mich nur an und seine Augen wurden trüb. Und ich hob meine Hand an den Mund und biß mir einen zackigen, blutunterlaufenen Mond in das Fleisch über dem Daumen.

 

Ueber die Autorin:

Caroline Rusch lebt als Bildende Kuenstlerin und Schriftstellerin in Augsburg.
Im Jahre 2000 promovierte sie in Klassischer Philologie  und Anglistik.
Reportagen: FAZ, SZ, FR, BR

Kunstpreisträgerin der Stadt Augsburg
Nominierung für Bayerisch-Schwäbischen Literaturpreis 2003 u. 2004

 

Kontakt:

Dr. Caroline Rusch

Mittlerer Lech 16,

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