Johanna Theresa Hartmann



gezählte stadt

ein kronleuchtergerippe im hof des cinema central von hier aus nur ein km nach naida

anmeldung erfolgt im 3. hof bei der expedition. gehe ich links

galvanische ausstattung büro parterre rechts geregelte verhältnisse in der sophienstraße 16

zahllose menschen kommend gehend suchend

sich

einschiffend in hafen der großstadt

zahlenverwirrung linienstraße 115:

nicht 155 sondern 154a ist die richtige nummer, wenn sie zur lesung wollen.

den linien der straßen folgend im flug über schneematschige pfützen

für einen augenblick, bis

der boden der stadt meine füße

wieder auffängt und

die kleinen kiesel des berliner winterdienstes sich in meine sohle graben.

wie brücken legen sich die hölzernen planken über kabel wie pflaster über noch pulsierende

adern

herausgerissen aus berlins sandiger erde steige ich über stromkabel und vielleicht

telefongespräche

von pankow nach lichterfelde.

das soup and fish der friedrichstraße hat heute KEIN SUPPE im tagesangebot. die wörter

noch

mit bunter kreide auf der tafel sind die landenräume schon leer. geschmack verbindet.

unverhältnismäßig viele sechsen reihen sich durch berlin immerhin drei handgemalte die eichendorffstraße hinunter. aus einem kellerfenster wachsen junge bäume. eine telefonnummer sucht an einer laterne elektrogeräte. gebrauchte farb tv mit plastikgehäuse. kaufe 5 euro.

was kosten fünf euro? zahlen

eine stadt voller ziffern

finden

sich auf allem, was es wert ist nicht verloren zu gehen im moloch.

ein hoffnungsloses unterfangen. zahlen auf einem rest papier auf dem boden

gehen verloren

und tauchen woanders wieder auf oder verschwinden in der stadt.

das haus in der invalidenstraße hat seine nummer aufgegeben. sowie sieben seiner fenster.

das erdgeschoss ist zugemauert, das haus scheint vor sich selbst geflohen, die zimmer sind aus den fenstern gepsrungen und haben sich

wer weiß wohin zurückgezogen.

dageblieben sind nur zwei schwarze pfeile auf den gelben quadratischen schildern, die

nach wie vor energisch und bestimmend nach rechts zeigen, wo ihnen

heute

ein blätterloser baum genügen muss.