Torsten Modrow




Meine Mutter Emma sagte noch Fritz pass gut auf dich auf Berlin ist eine große

Stadt in der man sich schnell verlaufen kann. Für alle fälle gab sie mir einen alten Stadtplan von Berlin Hauptstadt der DDR mit, sie meinte noch „wenn du den Berliner Fernsehturm siehst biste mitten drin“ . Mittendrin war ich, als ich aus dem Zug stieg, ein kleiner Haufen Hundemist, klebte nun unter meinen sohlen. Emma würde jetzt sagen, ich habe dir doch gesagt du solltest aufpassen.

 

Hätte meine Mutter besser aufgepasst, müsste ich jetzt nicht durch diese große Stadt ziehen, auf der suche nach irgendeiner Pinte namens „ Bötzow-Eck“. Im Bötzow-Eck hat alles angefangen, im Winter einundsechszig, Emma und Kurt trafen sich immer montags nach dem schwimmen im Stadtbad Gartenstraße ,es war ein kalter Winter und den kalten krieg gab es  noch dazu. Kurt war kein guter Schwimmer, dafür schwamm er im Geld seines Vaters, dem das Bötzow-eck gehörte, in dem sich die Schwimmer vom Sportclub jeden Montag trafen um die besten Buletten der Stadt zu genießen. Emmas große Liebe war Kurt , die Liebe war so groß , dass Emma sogar die Buletten , die alles andere waren als die besten Buletten dieser Stadt mit Genuss verzehrte, nur um bei kurt zu sein .Im Frühjahr einundsechzig starb Kurts Vater. Der Tod kam so plötzlich, daß Kurts Vater das Rezept für die Buletten mit ins Grab nahm und das Bötzow –Eck  gefahr lief eine bedeutungslose Destille im tristen Berlin zu werden. Zum Glück konnte Emma nicht nur schwimmen, sondern auch noch kochen , ihr Leibgericht Wilmersdorfer Bulette mit grünen Bohnen waren das einzige Rezept von Großmutters Restaurant zum goldenen Fasan, welches den krieg überlebte und welches Emma als Mitgift von ihrer Sippschaft mitbekam. Um es kurz zu machen. Kurt verlobte sich mit Emma und das Bötzow –Eck versank nicht in der Bedeutungslosigkeit. Das Glück von Emma und Kurt währte nicht lang. Im Sommer einundsechzig geschah das, was unausweichlich war. Emma war an diesem verfluchten dreizehnten, an ihrem einzigen freien Tag nicht im Bötzow-Eck, sondern wie jeden Sonntag am Grab ihrer Großmutter in Wilmersdorf . Es gab kein zurück und schlimmer noch die Mitgift war für die Katz und verschwand auf nimmer wiedersehen im Bötzow in einem Land , welches es heute nicht mehr gibt. Emma zog es über den großen Teich in das gelobte Land und machte Millionen mit Buletten am Times Square und Kurt machte mit Buletten nicht Millionen ,sondern Miese und das nicht zu knapp.

 

Heute soll ich endlich  Vater sehen und  vielleicht wird es doch noch ein guter Tag , es soll ja glück bringen, wenn man hinein tritt in den Hundemist.

 

 

Torsten Modrow       08.02.03